Krise auf dem Halbleitermarkt
Philips schickt 1 000 Mitarbeiter in Kurzarbeit

Philips muss in Deutschland wegen der Krise auf dem Halbleitermarkt die Kosten kräftig senken. Der Konzern hat Kurzarbeit für rund 1000 seiner 14 500 Mitarbeiter angemeldet.

lip HAMBURG. Die Philips GmbH, Hamburg, bekommt die anhaltende Krise im Halbleiter-und Elektronikgeschäft kräftig zu spüren. Die nach den USA zweitgrößte Tochtergesellschaft des niederländischen Technologiekonzerns Royal Philips Electronics in Eindhoven hat für rund 1 000 ihrer 3 300 Mitarbeiter der Halbleitertochter Philips Semiconductors bis März 2002 Kurzarbeit angemeldet. Der Philips-Deutschland-Chef, Walter Conrads, will damit vorerst Stellenstreichungen vermeiden, die über die natürliche Fluktuation hinausgehen.

"Ob wir Anfang nächsten Jahres Personalanpassungen vornehmen, ist von der weiteren Entwicklung auf dem Halbleitermarkt abhängig", betonte Conrads anlässlich des 75jährigen Bestehens der Philips GmbH, die 14 500 Mitarbeiter beschäftigt. Dennoch geht er davon aus, dass in 2002 eine leichte Wiederbelebung des Geschäfts eintritt. Conrads: "Sollte es sich bewahrheiten, was viele vorsichtig andeuten, nämlich eine Erholung der wirtschaftlichen Lage, dann werden wir unsere Kapazitäten schnell und flexibel wieder hochfahren."

Mitte Oktober überwogen bei Konzernchef Gerard Kleisterlee allerdings noch die Moll-Töne: Er erklärte, dass sich die Situation auf dem Halbleitermarkt nach den Terroranschlägen auf die New Yorker Twin Towers noch einmal verschärft habe. Der Konzern rutschte deshalb tief in die roten Zahlen. Danach verbuchte der Elektronikriese im 3. Quartal einen Nettoverlust von 799 Mill. Euro, während im vergleichbaren Vorjahreszeitraum ein Reingewinn von 2,1 Mrd. Euro erwirtschaftet worden war (siehe Handelsblatt vom 17. 10. 2001).

Ob die deutsche Philips-Tochter im laufenden Jahr in die roten Zahlen rutscht, wollte Conrads nicht kommentieren. Er betonte lediglich, dass der Umsatz in 2001 nicht gehalten werden könne. Die Philips GmbH hatte 2000 bei einem Umsatz von 5,37 Mrd. Euro einen Gewinn erzielt, den Conrads aber nicht beziffern wollte. Er bewegt sich aber nach Informationen aus unternehmensinternen Quellen bei rund 340 Mill. Euro.

Lohnkosten sollen drastisch reduziert werden

Wie das Handelsblatt weiter erfuhr, sollen durch die Kurzarbeit die gesamten Lohnkosten der Philips GmbH um 30 bis 50 % reduziert werden. Damit will das Unternehmen das Geschäftsjahr 2001 mit einem ausgeglichenen, leicht positiven Ergebnis abschließen, heißt es.

Zu dem Umsatz der deutschen Philips-Tochter steuerte das Halbleitergeschäft nach Firmenangaben im vergangenen Geschäftsjahr rund die Hälfte bei. Weitere 40 % entfallen auf den Consumer-Bereich, dazu gehört die Sparte Haushalts-Elektrogeräte. Den Rest erzielt Philips mit der Medizintechnik.

Von der Kurzarbeit in der Halbleitersparte sind die deutschen Produktionsstandorte unterschiedlich betroffen. Nach unternehmensinternen Informationen wurde bereits für einen Teil der rund 800 bis 900 Mitarbeiter am Standort Böblingen am 1. Juli die Arbeitsmaßnahme beim Arbeitsamt angemeldet. Zwei Monate später erfolgte sie für einen Teil der 2 400 Mitarbeiter am Standort Hamburg. Die anderen Betriebsteile der Philips GmbH sind hiervon bisher nicht betroffen. Dennoch habe die Geschäftsführung angeordnet, dass befristete Arbeitsverträge vorerst nicht verlängert werden sollen.

Weitere Investitionen geplant

Trotz der Kostenprobleme will die deutsche Philips-Tochter weiter kräftig investieren. Danach sollen im laufenden Geschäftsjahr rund 200 Mill. Euro in die Bereiche Halbleiter, Licht und Medizintechnik fließen. Rund die Hälfte des Kapitals ist vor allem für das Halbleitergeschäft vorgesehen. Philips hat in den vergangenen zehn Jahren rund 1,9 Mrd. Euro in den Standort Deutschland investiert.

Zu einem der "strategischen Wachstumsfelder" hat die Philips GmbH inzwischen die Lichttechnik auserkoren. Zusammen mit der Fraunhofer Gesellschaft hat das Unternehmen die Philips EUV gegründet. Das Joint-Venture soll eine neue Lichtquelle bis zur Marktreife entwickeln, die der Produktion von Halbleitern der nächsten Generation dient.

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