Krise bei Rover
BMW verhandelt über Verkauf von britischen Werken

Der Autokonzern verabschiedet sich endgültig aus Großbritannien. Die Werke hätten keine "strategische Bedeutung mehr", hieß es aus München.

Reuters MÜNCHEN. Der Münchener Autohersteller BMW AG will zwei seiner vier verbliebenen Werke in Großbritannien verkaufen. Ein Sprecher bestätigte am Mittwoch in München einen Bericht des "Handelsblatts" (Mittwochausgabe). Die Gespräche über das Presswerk in Swindon und die Fertigung in Longbridge liefen bereits seit geraumer Zeit, sagte er. Die Werke hätten keine strategische Bedeutung mehr für BMW. Verhandelt werde jeweils mit mehreren Partnern. BMW stehe dabei nicht unter Zeitdruck. An dem Motoren- und Getriebewerk und der Gießerei in Longbridge sei MG Rover interessiert, bestätigte der Sprecher. Eine rasche Lösung sei nicht auszuschließen. BMW hatte die Betriebsstätten langfristig zur Disposition gestellt.

Werke liefern an Rover und Land Rover

Beide Werke liefern keine Komponenten für BMW, sondern Teile für MG Rover und Land Rover, in Swindon werden zudem Teile für den "Mini" hergestellt. Das so genannte "Powertrain"-Werk in Longbridge war beim Verkauf von Rover Cars an das inzwischen in MG Rover umbenannte "Phoenix"-Konsortium bei BMW verblieben. Ein Teil der 1600 Mitarbeiter, die BMW in dem Vorort von Birmingham noch beschäftigt, soll in das neue BMW-Motorenwerk in Hams Hall umziehen, das Anfang 2001 den Betrieb aufnimmt. Daneben unterhält der bayerische Konzern ein Werk in Oxford, das derzeit umgerüstet wird und in dem ab dem Frühjahr 2001 der neue "Mini" vom Band laufen soll.



Verkauf an Mayflower

Nach Angaben der Zeitung "Handelsblatt" sollen Longbridge und Swindon mit zusammen 3600 Beschäftigten einen Wert von einer Milliarde DM haben. Die Fabrikation in Swindon will dem Zeitungsbericht zufolge der britische Karosseriehersteller Mayflower kaufen. Ein Sprecher des Unternehmens habe das bereits bestätigt. BMW wollte den Namen des Interessenten nicht kommentieren. Derzeit werde mit niemandem exklusiv verhandelt. Unter der Ägide eines anderen Unternehmens könnten die Werke besser durch Fremdaufträge Dritter ausgelastet werden, sagte der BMW-Sprecher. MG Rover hat zuletzt Medienberichte zurückgewiesen, die Produktion von 200 000 Autos im Jahr deutlich drosseln zu wollen.

Eine mögliche "Paketlösung" für Longbridge, von der das Handelsblatt berichtet hatte, ist für BMW nach eigenen Angaben kein Thema. Derzeit läuft die nachträgliche Bewertung von Rover Cars unter Führung zweier Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. MG Rover-Chef John Towers hat dabei nach Medienberichten von BMW einen Nachschlag von bis zu 150 Mill. Pfund (500 Mill. DM) gefordert, da das zum symbolischen Preis von zehn Pfund übernommene Rover-Vermögen weniger wert sei als erwartet. "Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun", sagte der BMW-Sprecher. Eine Verrechnung sei nicht denkbar.



Abschluss der Verhandlungen bis Weihnachten

Der Münchener Autobauer geht davon aus, die Verhandlungen über die Bewertung von Rover bis Weihnachten abschließen zu können: "Ich bin optimistisch, dass wir das hinkriegen." Eine Nachzahlung an MG Rover sei theoretisch nicht auszuschließen. Die Rückstellungen müsse BMW dafür aber höchstwahrscheinlich nicht voll ausschöpfen. Die BMW-Aktie verlor am Mittwoch im frühen Geschäft 0,5 % auf 37,70 Euro.

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