Krise bei Worldcom lässt neue Einbrüche erwarten
Erholung in weiter Ferne

Entgegen den bisherigen Erwartungen ist im Technologiesektor, aber auch in der traditionellen Industrie kein nachhaltiger Aufschwung in Sicht. Die Börsen reagierten deshalb mit heftigen Kursabschlägen auf die Quartalsberichte der Unternehmen.

NEW YORK/DÜSSELDORF. Zur Halbzeit der Bilanzsaison gibt es nach Handelsblatt-Recherchen zwar wenige Enttäuschungen. So haben in den USA 75 % aller Unternehmen die Prognosen erfüllt oder übertroffen. "Doch dass die Ergebnisse den Erwartungen entsprechen, zählt nicht mehr", sagt Chuck Hill vom Informationsdienst Thomson First Call. "Die schwachen Aussichten auf die nächsten Quartale sind maßgeblich."

Schlechte Prognosen gibt es vor allem in den Sparten, die von Investitionsausgaben der Unternehmen abhängig sind. Dazu gehören etwa der Baumaschinen-Hersteller Caterpillar und der Chipproduzent Intel. Auch die Computerhersteller Gateway und Apple sowie der Software- Riese Microsoft revidierten ihre Erwartungen nach unten.

Positive Überraschungen wie bei Daimler-Chrysler und Nokia beruhen derweil nicht auf besseren Umsätzen, sondern auf Kostenreduzierungen. "Diese Schraube lässt sich nicht mehr lange weiterdrehen", urteilt HSBC-Analyst Dirk Guber.

Im abgelaufenen Quartal dürften sich die Gewinne gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1 % verbessert haben, schätzt First Call. Bislang wurde ein Plus von 3 bis 4 % vorhergesagt. Für das dritte Quartal rechneten Experten bisher mit einer durchschnittlichen Besserung um 15,1 %. "Doch dabei wird es nicht bleiben", fürchtet Hill, die Erholung komme viel langsamer als gedacht. Vor drei Monaten war noch ein Zuwachs von 27 % für das nächste Quartal erwartet worden.

Viele Ökonomen meinen, dass die Schätzungen der Analysten viel zu optimistisch sind. "Die Gewinne könnten erst im Jahr 2004 wieder das Niveau von 2000 erreichen", befürchtet Steven Wieting von Salomon Smith Barney. Die Anleger seien nach Terrorattacken und Rechnungslegungsskandalen übertrieben pessimistisch. Dies schlage auf die wirtschaftliche Entwicklung durch.

Nachdem der Dow-Jones-Index in den USA am Freitag auf den tiefsten Stand seit Oktober 1998 abgerutscht ist, fürchten Analysten neue Einbrüche. Neben schlechten Ausblicken - in den nächsten Tagen berichten zahlreiche Konzerne wie zum Beispiel Exxon und Alcatel - dürfte die erwartete Insolvenz von Worldcom den Markt belasten. Es droht die größte Firmenpleite in der Wirtschaftsgeschichte. Skeptisch für die neue Woche ist Dick Grasso, Chef der New Yorker Börse: "Montage nach einem schwachen Freitag sind immer schwierig. Ich vermute, dieser Montag wird keine Ausnahme davon sein."

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