Krise der Auto-Branche
IAA in der Realität angekommen

Vorbei der Glanz vergangener Tage, die Automobilbranche muss nach Jahren der Krise sparen und das geht auch an der weltgrößten Auto-Schau nicht spurlos vorüber. Die Träume leben zwar noch, aber sie sind blasser geworden.

HB FRANKFURT. Nach Jahren des Wetteiferns um den teuersten, ausgefallensten oder schlicht grellsten Auftritt auf der größten Auto-Schau der Welt sind die Aussteller auf der IAA 2003 in der Realität angekommen - und die heißt seit einigen Jahren Krise. Im gleichen Maße, wie die Produzenten der automobilen Träume diesmal an ihren Auftritten gespart haben, ist die internationale Leitmesse normaler geworden.

Am offensten äußert sich die Ingolstädter Auto-Schmiede Audi, die den Trend zum Größer-Schöner-Teurer schon bei der letzten Schau vor zwei Jahren stoppte und damals trotzdem einen Designpreis für ihren Auftritt einheimste. In den 90-er Jahren hätten sich die Kosten von Auftritt zu Auftritt erhöht und man habe festgestellt, "dass das so nicht weiter gehen kann", heißt es beim Konzern. In diesem Jahr werde der Aufwand wohl nochmals ein wenig unter dem der vergangenen IAA liegen. Die Kosten summierten sich auf einen "eher niedrigen zweistelligen Millionenbetrag". Neben Audi schlüpften in diesem Jahr auch die Tochter-Marken Seat und Skoda in der Halle des Mutterkonzerns VW unter.

Auch Nobelmarken wählen günstigere Alternativen

Auch BMW und Mercedes-Benz haben sich diesmal für einen günstigeren Auftritt entschieden, sprechen dabei jedoch von einem Nebeneffekt beziehungsweise Effizienzverbesserungen als Auslöser. Was dies in Euro und Cent bedeutet, behalten beide Konzerne für sich. Die Stuttgarter Nobelschmiede immerhin brauchte mit zeitweise bis zu 400 Mitarbeitern über zwei Monate, um die Festhalle, das alte Schmuckstück der Frankfurter Messe, für den Auftritt herzurichten. Statt edlem Holz wie 2001 dominieren den 12 000-Quadratmeter-Stand diesmal allerdings eher technische Materialien.

Zumindest die Premieren werden jedoch mit soviel Pomp wie eh und je gefeiert - und der automobilen Oberklasse scheint die Kundschaft auch in der Wirtschaftskrise nicht abhanden zu kommen. 500 Bestellungen hat Mercedes-Benz nach eigenen Angaben schon für den 626 PS starken und ohne Steuern 345 000 ? teuren Sportwagen SLR gesammelt, den der Konzern auf der IAA als Weltpremiere vorstellte und der aus Gründen der Exklusivität vermutlich nie in einem normalen Autohaus zu sehen sein wird. Eine Unterschrift auf dem Motor des Zweisitzers zeigt dem späteren Besitzer sogar, welcher Ingenieur ihn von Hand zusammengebaut hat. Zum Bremsen klappt sich ein Heckspoiler senkrecht in die Höhe, und der seltsam hohle Klang beim Klopfen auf die Karosserie rührt daher, dass sie wie bei Formel-1-Rennwagen aus Karbon hergestellt ist, das den Fahrer bei einem Unfall weit besser schützen soll als Stahl.

Gepanzerter Wagen von BMW

Während Mercedes-Benz sich um die Exklusivität des SLR sorgt und ihn nur in einem Kundencenter in Großbritannien ausstellen will, geht BMW mit seinen gepanzerten Wagen zum ersten Mal auf einer IAA in die Öffentlichkeit. In den vergangenen Jahren sei ein leichter Anstieg des Verkaufs von Sicherheitsfahrzeugen zu verzeichnen, das Thema sei mehr im Bewusstsein der Öffentlichkeit, begründen BMW-Mitarbeiter den Wandel. Allerdings darf sich allein die Presse die beiden leicht gepanzerten Fahrzeuge aus der Nähe anschauen, normale IAA-Besucher kommen nur bis zu einer Absperrung. Und schwerer gepanzerte Fahrzeuge stehen weiter wie früher in einem separaten Raum, der potenziellen Kunden vorbehalten bleibt, die rund eine halbe Million Euro für ihre Sicherheit anlegen wollen und können.

Ein paar Hallen weiter muss sich der Porsche-Konzern zumindest um die Sicherheit der Ausstellungs-Fahrzeuge kaum noch Gedanken machen. Die Zahl der Diebstähle während der IAA ist stark zurückgegangen, was offenbar nicht nur mit einer erhöhten Ehrlichkeit der Besucher, sondern auch mit einigen technischen Neuerungen der vergangenen Jahr zu tun hat. "Früher wurden ganze Lenkräder mitgenommen, heute funktioniert das schon wegen des Airbags nicht mehr", sagt ein Sprecher. Auch Schalthebel ließen sich nicht mehr einfach abschrauben, und die früher als Souvenirs beliebten Porsche-Wappen seien mittlerweile so befestigt, dass sie auf die Schnelle kaum zu entfernen seien.

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