Krise erreicht neuen Höhepunkt
Gründer von Lernout & Hauspie verhaftet

Die Firmengründer des in finanzielle Schwierigkeiten geratenen belgischen Weltmarktführers für elektronische Spracherkennungssysteme Lernout & Hauspie sind verhaftet worden. Jo Lernout und Pol Hauspie, wurden wegen Bilanzfälschung und Kursmanipulation angeklagt, wie Staatsanwalt Jean-Marie Coppens am Freitag am Firmensitz in der westflandrischen Stadt Ypern (Ieper) mitteilte. Das seit Monaten kriselnde Unternehmen steht unter Gläubigerschutz; eine Änderung der Machtverhältnisse schlug gestern fehl.

dpa/ap YPERN/BRÜSSEL. Im Zentrum der Affäre stehen die Geschäfte und Buchführung von L&H in Südkorea. Nach Recherchen des "Wall Street Journal" gab das Unternehmen im November vergangenen Jahres "Irrtümer und Unregelmäßigkeiten" in Finanzdaten zu. Die Rechnungsprüfer von L&H, die belgische Tochter von KPMG, zogen ihren Bericht zu den Jahresabschlüssen von 1998 und 1999 zurück. Nach der Aufnahme von Ermittlungen wegen gefälschter Buchführung erklärte Hauspie im Herbst vergangenen Jahres seinen Rücktritt; der Aktienhandel musste ausgesetzt werden.

Neben Hauspie, der wie kein anderer das Know-how des Unternehmens verkörpert hat, und Lernout wurde auch der ehemalige geschäftsführende Direktor Nico Willaert wegen Betrugs angeklagt. Im Anschluss an die Anhörung der drei Manager am Donnerstagabend muss jetzt ein Richter am kommenden Montag entscheiden, ob die Beschuldigten in Haft bleiben oder bis zu Beginn der Verhandlung auf freien Fuß gesetzt werden.

Neuem Chef fehlt Rückhalt

Der neue Unternehmenschef Philippe Bodson wollte bei der außerordentlichen Hauptversammlung am Donnerstag eine Änderung des Firmenstatus erwirken, nach der die Unternehmensgründer nicht mehr wie bisher die Mehrheit des Führungsgremiums von Lernout & Hauspie benennen können. Weil die anwesenden Aktionäre jedoch lediglich knapp 24 % des Kapitals repräsentierten statt der dafür erforderlichen mindestens 75 %, kam die gewünschte Änderung zunächst nicht zu Stande.

L&H gehörte zu den Börsenlieblingen des High-Tech-Booms, der im Herbst vergangenen Jahres zusammenbrach. Auf dem Höhepunkt der Kursentwicklung wurde die L&H-Aktie mit 70 Dollar bewertet - inzwischen sind es nur wenig mehr als ein Dollar. Bezogen auf die Marktkapitalisierung des Unternehmens bedeutet dies einen Verlust von nahezu zehn Mrd. Dollar. Derzeit bemüht sich L&H um einen Ausweg aus der hohen Schuldenbelastung und um eine Sanierung des Unternehmens.

Microsoft und Intel gehören zu den Investoren

Die 1987 gegründete Firma entwickelt Spracherkennungssoftware und andere Sprachtechnologien für den Einsatz in Autos, in der Telekommunikation oder für das Internet. L&H beschäftigt mehr als 1 100 Computerlinguisten und andere Fachkräfte. In der Vergangenheit wurden zahlreiche kleinere Firmen, aber auch bedeutende Konkurrenten wie Dragon Systems von L&H aufgekauft. Weil die Zukunft der Steuerung des Computers mit menschlicher Sprache gehören soll, haben auch führende Computerfirmen wie Microsoft und Intel in L&H investiert.

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