Krise im Werbemarkt
ProSiebenSat.1 mit deutlicher Gewinnwarnung

Angesichts der Krise im inländischen Werbemarkt hat der größte deutsche TV-Konzern ProSiebenSat.1 Media seine Gewinnerwartung für das laufende Jahr um rund ein Viertel zurückgenommen.

Reuters MÜNCHEN. 2002 werde das Minus im Fernsehwerbemarkt voraussichtlich 8,2 % betragen statt wie bislang angenommen bis zu fünf Prozent, teilte ProSiebenSat.1 am Mittwoch in München mit. In diesem Fall werde der TV-Konzern nur einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 140 bis 160 Mill. Euro erzielen. Bislang war die Tochter der insolventen KirchMedia für 2002 von einem Ebitda von etwa 200 Mill. Euro ausgegangen. Mit einer Trendwende am Werbemarkt bis Jahresende rechnet die Sendergruppe nicht mehr. Analysten zeigten sich von der Ankündigung nicht überrascht. Angesichts der Situation der Branche habe der Markt damit gerechnet.

Die Aktie brach in den ersten Handelsminuten um gut acht Prozent auf 5,75 Euro ein, erholte sich dann aber in einem festeren Gesamtmarkt. Am Vormittag notierte das Papier mit 6,15 Euro noch knapp zwei Prozent im Minus.

2002 "Ein verlorenes Jahr" für das Fernsehen

Derzeit herrscht im gesamten europäischen Werbemarkt Katerstimmung, wobei die Situation in Deutschland am schlechtesten ist. So hatte etwa der ProSiebenSat.1-Konkurrent RTL kürzlich erklärt, in Deutschland erst 2003 mit einer Erholung des Werbemarkts zu rechnen, während es etwa in Großbritannien schon wieder Zuwächse gebe.

"Anders als erwartet, müssen wir heute davon ausgehen, dass auch das vierte Quartal keine Trendwende mehr im Werbemarkt bewirken wird", schloss sich ProSiebenSat.1-Chef Urs Rohner dem negativen Ausblick von RTL für Deutschland nun an. Für die Fernsehwirtschaft sei 2002 damit "ein verlorenes Jahr". Ein Sprecher wollte auf Anfrage keine Prognose wagen, wann wieder mit einem Anziehen des Werbemarktes zu rechnen ist: "Da können wir im Augenblick noch gar nichts dazu sagen."

Die Investitionen in TV-Werbung sollen einer von dem Konzern in Auftrag gegebenen Studie zufolge in Deutschland 2002 um 8,2 % sinken. Damit werde es branchenweit Einbußen von 365 Mill. Euro bei den Netto-Werbeeinnahmen geben nach schon 236 Mill. Euro im Vorjahr. Die Sendergruppe - zu der auch Kabel1 und der Nachrichtensender N24 gehören - werde sich mit einem Rückgang des Vorjahresumsatzes (2,015 Mrd. Euro) von drei bis vier Prozent aber klar besser als der Markt entwickeln.

Keine Stellenstreichungen geplant

"Das war wirklich nicht überraschend", kommentierte Roland Pfänder, Analyst bei der BHF-Bank, die Prognosekorrektur. Die ProSiebenSat.1-Aktie habe sich im Vergleich zu den Papieren ausländischer Konkurrenten wie TF1 oder Mediaset zuletzt schlechter entwickelt. Die Ankündigung vom Mittwoch sei im Kurs bereits enthalten gewesen. Wie die meisten Analysten wollte auch Pfänder keine Aussage machen, wann es in der Branche wieder zu einem Aufschwung kommt. Jan Herbst von Sal Oppenheim hält 2003 ein Wachstum von zwei bis drei Prozent für möglich, schließt aber auch eine Stagnation nicht aus. Der ProSieben-Sprecher kündigte an, der TV-Konzern werde die 2001 begonnenen Sparmaßnahmen weiter intensivieren und jeden Bereich auf seine Effizienz prüfen. Zugleich betonte er aber: "Es gibt keine Pläne für einen Personalabbau."

Mit Blick auf die zuletzt erwogene Übernahme der Filmrechte der KirchMedia, sagte der Sprecher, ProSiebensat.1 habe weiter ein "generelles Interesse". Ein Angebot sei aber nicht abgegeben worden. Analysten schätzen einen Kauf unterschiedlich ein. Während es Stimmen gibt, die einen Erwerb zu einem angemessenen Preis für sinnvoll halten, weisen andere Branchenexperten darauf hin, dass zumindest bei Teilen des Filmstocks die Qualität fraglich sei.

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