Krise in der Hamburger SPD
Rotes Wetterleuchten im hohen Norden

In Berlin reagiert man auf die jüngsten Ereignisse innerhalb der Hamburger SPD mit Fassungslosigkeit. Dabei ist der Stimmenklau bei der Mitgliederbefragung nur eines von vielen Anzeichen für eine zunehmende Disziplinlosigkeit, unter der die Landesparteien momentan zu leiden haben.

BERLIN. Draußen an der neobarocken Sandsteinfassade prangt das stolze Wappen der freien Hansestadt. Drinnen gibt es Rührei mit frischen Nordseekrabben. "Ich begrüße Sie in der Hamburger Landesvertretung", sagt der Mann aus Altona. Er fühle sich "ganz wohl hier". Und noch ehe einer der Zuhörer einen vorlauten Scherz machen kann, setzt Olaf Scholz hinzu: "Vor allem, dass die Vertretung in Berlin steht, finde ich ganz in Ordnung."

Rund 280 Kilometer trennen die beiden Stadtstaaten, und der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion ist nicht der einzige Sozialdemokrat, der sich derzeit wünscht, die Distanz möge noch größer sein. "Fassungslos" und "mit einer Mischung aus Sarkasmus und Entsetzen" habe man die Hamburger Nachrichten über die Streitereien, den Stimmenklau bei der Mitgliederbefragung und die Selbstblockade verfolgt, gesteht ein altgedienter Genosse. Und es bedarf schon einer guten Portion Generalsekretärsoptimismus, um zu glauben, dass nach dem gestrigen Rücktritt des gesamten Landesvorstands "eine Lösung nach vorn" gefunden sei, wie dies Hubertus Heil formuliert.

Andererseits weiß man nicht, wie tief sich die Genossen von der Elbe noch in die Grütze gefahren hätten, wenn nicht Heil am Montagabend als Krisenmanager angereist wäre. Zwei Tage lang führte er mit den verfeindeten Lagern um den Noch-Landeschef Mathias Petersen und seine Stellvertreterin Dorothee Stapelfeldt Gespräche, suchte Auswege aus der verkorksten Lage, argumentierte, drohte und musste stundenweise sogar vor der Tür warten. Insofern ist es wohl ein Erfolg, dass am Mittwoch um vier Uhr morgens die Hamburger SPD-Spitze die Verantwortung für das Debakel übernimmt und Stunden später Stapelfeldt ihren Rückzug verkündet. Auf einem Landesparteitag am 24. März soll nun der neue Spitzenkandidat gekürt werden.

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