Krise in der Hightechbranche hat auch „Big Blue“ erreicht
Gedämpfte Erwartungen nach IBM-Gewinnwarnung

Mit gedämpften Erwartungen sehen Branchenbeobachter den für heute anstehenden Erstquartalszahlen von IBM entgegen. Zum ersten Mal seit mehr als zehn Jahren und zum dritten Mal in der Unternehmensgeschichte hatte IBM Anfang April eine Gewinnwarnung veröffentlicht.

vwd ARMONK. IBM erwartet nach den revidierten Prognosen für die ersten drei Monate einen Nettogewinn je Aktie von 0,66 bis 0,70 Dollar. Von Thomson Financial/First Call befragte Analysten sehen daraufhin im Mittel einen Gewinn je Aktie von 0,68 Dollar. Im ersten Quartal 2001 lag der Gewinn je Anteilsschein noch bei 0,98 Dollar.

Vor der Gewinnwarnung Anfang April hatten Analysten ursprünglich einen Gewinn je Aktie von 0,85 Dollar vorausgesagt. Der Technologiekonzern begründete seine niedrigere Schätzung mit dem "fordernden Geschäftsumfeld". Der Umsatz werde in den ersten drei Monaten in der Spanne 18,4 Mrd bis 18,6 (21,04) Mrd Dollar liegen, hieß es weiter. "Im ersten Quartal haben viele unserer Kunden ihre Kaufentscheidungen verschoben", hatte der CFO von IBM, John R. Joyce, die Ursachen für die nach unten revidierte Prognose beschrieben. Der Umsatzrückgang habe alle Produktgruppen betroffen.

IBM sieht den Umsatz der Technologiesparte um 35 Prozent unter dem Vorjahr. Die Sparte wird nach Schätzungen des Konzerns im ersten Quartal einen Vorsteuerverlust von ungefähr 200 Millionen Dollar oder 0,08 Dollar je Aktie verbuchen. Der gesamte Konzern erwartet für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres einen Vorsteuergewinn von 1,65 bis 1,75 Milliarden Dollar. IBM will jedoch trotz des unter den Erwartungen liegenden Ergebnisses für die erste Berichtsperiode an ihren bisherigen Geschäftsstrategien festhalten.

Mit dieser Ankündigung hat die Krise in der Hightechbranche nun auch "Big Blue" erreicht. Im vergangenen Jahr schien es noch, als segelte IBM unbeirrt durch das Konjunkturtief, während die Konkurrenz Gewinnwarnung nach Gewinnwarnung veröffentlichte. "IBM ist zu groß, um sich zu verstecken", erklärte ein Analyst von AG Edwards & Sons. Nun habe der Konzern wieder das Niveau der Konkurrenz erreicht. Es zeige sich, dass IBM genauso wie die anderen Unternehmen unter der Kürzung von Investitionen leide.

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