Krise kostet Familienclan ein Vermögen
Vivendi: Aufstieg und Fall des Edgar Bronfman Jr.

Die Krise des französisch-amerikanischen Medienkonzerns Vivendi Universal SA ist auch für den Clan des Unternehmer Edgar Bronfman Jr. ein Desaster.

PARIS/NEW YORK. Der Amerikaner russischer Abstammung hatte vor rund zwei Jahren zusammen mit Vivendi-Chef Jean-Marie Messier die beiden grundverschiedenen Unternehmen Vivendi (Frankreich) und Universal (USA) verschmolzen. Universal fasste dabei das Musik-, TV- und Filmgeschäft des Seagram-Konzerns zusammen, den die Bronfmans als Großaktionäre lenkten.

Der 47-jährige Bronfman trägt schon lange die Verantwortung für die Geschicke einer ganzen Unternehmerdynastie auf seinen Schultern. Einen Großteil seines Beruflebens hat er damit zugebracht, Skeptiker davon zu überzeugen, dass er ein würdiger Nachfolger seines legendären Großvaters Samuel Bronfman ist. Der hatte in den späten zwanziger Jahren das kanadische Spirituosenimperium Seagram groß gemacht. Erst viel später kaufte Bronfman dann die Mediensparte mit Universal hinzu.

In der Vivendi-Krise befürwortete Bronfman den Rausschmiss von Messier. Trotzdem zeigen die Ereignisse der vergangenen Tage, das Bronfman wohl eine persönliche Wette verloren hat: Er hatte erwartet, dass Messiers Strategie sich auszahlen würde, aus Universal und vivendi einen schlagkräftigen Weltkonzern zu machen. Tatsächlich ist der Wert der Bronfman-Beteiligung an Vivendi seit Januar von 3 auf 1 Mrd. $ gesunken.

Zunächst schien der Verkauf von Seagram Co. an Vivendi ein Coup, denn er brachte der Familie 33 Mill. $ ein - auf dem Papier. Denn die Bronfmans ließen sich mit Vivendi-Aktien bezahlen, deren Wert zunehmend zusammenschmolz. Während die Wall Street den Verkauf von Seagram-Universal an Vivendi größtenteils begrüßt hatte, waren einige Mitglieder der Bronfman-Clans gegen das Geschäft. Schließlich musste Vivendi, um den Deal zu finanzieren, bald die lukrative und traditionsreiche Spirituosensparte Seagram verkaufen.

Im vergangenen Jahr hätte Bronfman mehr Mut gebraucht: Er verkaufte nur knapp 17 Millionen Vivendi-Aktien an das Unternehmen zurück und erzielte einen respektablen Preis von gut 1 Mrd. $. Doch stand die Familie zu dieser Zeit noch voll hinter der Strategie von Vivendi Universal. Doch Edgar Jr. klammert sich an die Macht. Vergangene Woche ist der Unternehmer mit einem Minderheitsanteil in die britische Luxusgütergruppe A&G Ltd. eingestiegen.

Quelle: Handelsblatt/Wall Street Journal

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%