Krise zwingt die Branche zum Sparen
Wachstum für IT-Dienstleister rückt in die Ferne

Die Hoffnung auf ein besseres zweites Halbjahr haben die IT-Dienstleister wie T-Systems, SBS, IBM oder EDS längst aufgegeben. Dabei trifft der anhaltenden Ausgabenstopp der Unternehmen große und kleine Anbieter gleichermaßen. Da niemand weiß, wie lange die Krise noch dauert, treten die Manager auf die Kostenbremse.

FRANKFURT/M. Die meisten der großen IT-Dienstleister hatten auf ein Aufhellen der Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte gehofft. Doch spätestens mit dem seit einem Monat angelaufenen 3. Quartal hat sich die Branche eine Erholung in diesem Jahr endgültig abgeschminkt. "Das Consultinggeschäft und der Bereich Systemintegration liegen am Boden, nur bei Outsourcing-Verträgen sieht es etwas besser aus", beschreibt ein Branchenkenner die Lage. "Outsourcing erfordert für den Kunden keine Investition , bietet ihm aber Kosten- und Qualitätsvorteile. Deshalb wächst dieses Marktsegment gerade in konjunkturell schwachen Zeiten", begründet Heinz Streibich, Geschäftsführer für IT Services bei T-Systems die relative Stärke dieses Geschäftsfeldes.

An der allgemeinen Auftragsschwäche wird sich in diesem Jahr kaum mehr etwas ändern. "Mittelfristig gibt es kaum Anhaltspunkte für eine Verbesserung des Geschäftsklimas", urteilen die Analysten der französischen Großbank Sociéte Générale über den europäischen IT-Sektor. Der Grund: Die Unternehmen stehen weiterhin auf der Ausgabenbremse. Und wer keine Hard- und Software kauft, braucht auch keine Dienstleister, die diese in Firmennetzwerken installieren.

Die Flaute bekommen alle zu spüren. Statt Wachstum musste der weltweite Branchenführer IBM Global Services im zweiten Quartal einen Umsatzrückgang von 1 % in der Sparte IT-Dienstleistungen hinnehmen. Dennoch liegt IBM im Branchenvergleich noch gut im Rennen.

Beim größten deutschen IT-Dienstleister T-Systems ist es vor allen Dingen der Bereich Telekommunikation bei dem die Nachfrage schwächelt. "Investitionen in Telekomunikationsnetzwerke von Unternehmen werden auf später verschoben", sagt ein Unternehmenssprecher. Insgesamt lag der Umsatz im ersten Quartal um 5,4 % unter dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Rund 500 Mill. Euro sollen nach der Ende März vollendeten Übernahme des Debis Systemhauses bis Ende nächsten Jahres eingespart werden. Das soll unter anderem durch eine Zusammenlegung der 37 Rechenzentren des Unternehmens erreicht werden. Doch auch einen Personalabbau im Bereich einiger hundert Stellen" will man in Unternehmenskreisen nicht ausschließen.

Kräftiger langen die Siemens-Manager bei der Münchener Siemens Business Services (SBS) zu. Insgesamt hat die IT-Services-Tochter in diesem Jahr bereits den Abbau von 4500 Stellen bekannt gegeben. Um 500 bis 600 Mill. Euro sollen dadurch die Kosten sinken. Mit insgesamt 36 000 Mitarbeitern gehört SBS auch international zu den größeren der Branche. Im zweiten Quartal erwirtschaftete SBS jedoch bei sinkendem Umsatz nur noch einen hauchdünnen Gewinn.

Cap Gemini mit Verlusten

Tief in den roten Zahlen operiert dagegen der größte europäische IT-Dienstleister Cap Gemini. Der Umsatz des französischen Konzerns brach in der ersten Jahreshälfte um 14,5 % ein. Unterm Strich ergab sich eine Verlust von 259 Mill. Euro. In den ersten sechs Monaten des Vorjahres hatte Cap Gemini noch einem Gewinn von 110 Mill. Euro erwirtschaftet. Bis Anfang 2003 will Cap Gemini jetzt rund 10 % der 57 000 Mitarbeiter entlassen.

Neben schwächelnden Aktienkursen zeigt die Krise inzwischen auch andere negative Folgen für die Firmen an den Kapitalmärkten. So senkte die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) vergangene Woche das Rating für langfristige Verbindlichkeiten von Cap Gemini. Die Abstufung spiegele die schwächere Profitabilität im IT-Consulting-Umfeld wider, begründete S&P den Schritt. Kredite werden für das Unternehmen wegen des höheren Risikos nun teurer.

Doch auch spezialisierte Anbieter wie die deutsche SAP SI bekommen die Sparmaßnahmen der Unternehmenskunden zu spüren. Nur wenige Tage nach der Umsatzwarnung der SAP AG korrigierte auch der IT-Dienstleister seine Prognosen nach unten. Man sei mit einer erwarteten Erholung des Geschäfts in der zweiten Jahreshälfte "falsch gelegen", räumte das Management ein.

Durch die Übernahme der Technik-Sparte von PricewaterhouseCoopers (PwC) durch IBM könnte nach Meinung von Branchenexperten eine neue Phase der Konzentration eingeläutet werden. Denn das Beratungsgeschäft und IT-Know-how wachsen immer mehr zusammen. Allerdings haben mittlerweile alle großen IT-Dienstleister - mit Ausnahme von Hewlett-Packard - Unternehmensberater integriert oder eigene Consulting-Bereiche aufgebaut. Daher gilt es im Markt als wahrscheinlicher, dass ausgegründete IT-Dienstleister großer Unternehmen aufgekauft werden. So haben große Unternehmen in den letzten Jahren eigenständige IT-Töchter wie die BASF IT-Services, Lufthansa Systems oder das Systemhaus Softlab der BMW AG gegründet.

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