Krisengespräch mit Banken
Kirch gibt im Streit mit Springer nicht nach

Die hochverschuldete Kirch-Gruppe will im Streit mit dem Axel Springer Verlag nicht nachgeben. Es gebe keine wirksame Vertragsgrundlage für die Verkaufsoption des Springer Verlages an dem Fernsehkonzern Pro Sieben Sat.1, bekräftigte ein Sprecher der Kirch-Gruppe am Montag vor einem Krisengespräch mit den Gläubigerbanken in München.

dpa MÜNCHEN. Berichte über einen angeblich erwogenen Insolvenzantrag von Springer für die Kirch-Gruppe seien daher verwunderlich. "Das können wir nicht nachvollziehen", sagte er.

Das Nachrichtenmagazin "Spiegel" hatte berichtet, Springer erwäge einen Insolvenzantrag für die Kirch-Gruppe, falls Kirch bis zum Ablauf der Optionsfrist Ende April nicht 767 Mill. Euro für Springers Anteil an der Pro Sieben Sat.1 Media AG überweise. Juristisch ist dies möglich. "Wenn der Springer Verlag eine Forderung hat, die die Kirch-Gruppe nicht erfüllen kann, kann Springer einen Insolvenzantrag stellen", sagte Professor Bruno Rimmelspacher, Experte für Insolvenzrecht an der Ludwig-Maximilians-Universität-München am Montag. Die Kirch-Gruppe selbst müsste einen Insolvenzantrag stellen, wenn sie überschuldet oder zahlungsunfähig ist.

Auf der Suche nach Auswegen aus der Finanzkrise wollten sich die wichtigsten Gläubigerbanken am Montag erstmals mit den drei Krisen- Managern der Kirch-Gruppe an einen Tisch setzen. Nach Informationen aus Branchenkreisen wollten sie sich am Nachmittag in München treffen. Mit einem konkreten Ergebnis wurde aber noch nicht gerechnet.

Die Kirch-Gruppe hatte die Berater Wolfgang van Betteray (Düsseldorf) und Klaus Hubert Görg sowie Unternehmensberater Hans- Joachim Ziems (beide Köln) vor gut zwei Wochen als externe Berater berufen. Sie sind darauf spezialisiert, Unternehmen umzubauen. Bei dem Treffen mit den Gläubigerbanken wollten sie nach Informationen aus Branchenkreisen die finanzielle Situation der KirchGruppe offenlegen. Kirch-Vize Dieter Hahn hatte die Verschuldung des Medienkonzerns mit 6,5 Mrd. Euro angegeben. Mit einem konkreten Konzept zur Lösung der Kirch-Krise rechnen Branchenkenner frühestens in der nächsten Woche.

Experten gehen davon aus, dass sich die Gruppe durch einen Verkauf zahlreicher Beteiligungen gesundschrumpfen will. Dabei wird auch eine Veräußerung der Mehrheit an dem verlustreichen Bezahlsender Premiere und den Rechten an der Formel 1 nicht ausgeschlossen. Außerdem stehen der 40-prozentige Anteil am Axel Springer Verlag und eine Beteiligung am spanischen Fernsehsender Telecinco zum Verkauf. Möglicherweise will sich die KirchGruppe außerdem von ihrem Nachrichtensender N24 sowie den Lokalsendern in München, Berlin und Hamburg trennen.

Die Ankündigung des Springer Verlages, die Verkaufsoption an Pro Sieben SAT.1 zu nutzen, war Anfang Februar Auslöser der akuten Finanznot der Kirch-Gruppe. Springer besteht darauf, eine mit Kirch vereinbarte Option auszuüben und das Paket an dem Fernsehkonzern für knapp 767 Mill. Euro an die Kirch-Gruppe zu veräußern. Kirch hatte die Option umgehend für juristisch unwirksam erklärt und rechtliche Schritte angekündigt.

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