Krisensitzung nach Unruhen in Jerusalem
Generalstreik der Palästinenser in Israel geplant

In einer Reaktion auf Unruhen in Jerusalem mit mindestens vier Toten und mehr als 200 Verletzten haben die Palästinenser zu einem Generalstreik aufgerufen. In Ramallah kam das palästinensische Kabinett zu einer Krisensitzung zusammen. Die israelische Armee erließ aus Sicherheitsgründen ein Einreise-Verbot für Israelis in die von Palästinensern kontrollierten Gebiete. Israels Ministerpräsident Ehud Barak telefonierte mit Palästinenser-Präsident Jassir Arafat und forderte dringend Maßnahmen zur Eindämmung der Gewalt.

Reuters JERUSALEM/RAMALLAH. Der palästinensische Informationsminister Jasser Abed Rabbo teilte am Rande der palästinensischen Kabinettssitzung vor Journalisten in Ramallah mit, lediglich die Ministerien blieben von dem Generalstreik am Freitag ausgespart. Mit dem Generalstreik sollten die Toten geehrt werden.

Den zweiten Tag hintereinander waren auf dem Jerusalemer Tempelberg am Freitag auf dem Gelände der El-Aksa-Moschee, dem Heiligtum der Moslems, Unruhen ausgebrochen, die in schwere Straßenschlachten zwischen palästinensischen Steinewerfern und israelischen Sicherheitskräften ausuferten. Offenbar angeheizt von einer Predigt während des traditionellen Freitagsgebetes griffen jugendliche Palästinenser die israelischen Polizisten und Soldaten an, die nach Berichten von Zeugen zum Teil mit scharfer Munition auf die Randalierer feuerten.

Ärzte berichteten, die Betten und Medikamentenvorräte reichten nicht aus, um die mehr als 200 Verletzten zu betreuen. Mindestens zehn Personen hätten ein Auge verloren. Die Verletzungen deuteten darauf hin, dass von den israelischen Soldaten auch reguläre Munition verschossen worden sei. Dies wurde von der Polizei bestritten. Es seien lediglich Plastik-Mantelgeschosse verfeuert worden. Auch zahlreiche Polizisten wurden durch Steinwürfe zum Teil schwer verletzt, darunter auch der Polizeichef von Jerusalem, der nach eigenen Angaben von drei schweren Steinbrocken getroffen wurde.

Mehrere Stunden waren in der Jerusalemer Altstadt die heulenden Sirenen der Krankenwagen zu hören. Mit dem Schrei "unser Blut, unser Leben für die El-Aksa-Moschee" waren die Jugendlichen aus der Moschee gestürzt und hatten mit erhobenen Fäusten die Straßenschlacht begonnen.

Radikaler Politiker löste die Unruhen aus

Die Krawalle hatten am Donnerstag mit dem Besuch des Likud-Politikers und ehemaligen Verteidigungsministers Ariel Scharon auf dem Tempelberg begonnen, wo neben der El-Aksa- Moschee auch der Felsendom und die von den Juden verehrte Klagemager dicht beiander liegen. Zuvor hatte der israelische Ministerpräsident Barak erstmals öffentlich davon gesprochen, dass Jerusalem sowohl als Hauptstadt des Judentums wie auch als Hauptstadt der Palästinenser interpretiert werden könnte.

In ungewöhnlich deutlicher Form kritisierte die US- Regierung diesen demonstrativen Besuch Scharons auf dem Berg der Heiligen Stätten. Ein Sprecher des Außenministeriums erklärte einen Tag nach den Ereignissen, in Washington hätten sich die Besorgnisse angesichts dieses riskanten Besuchs bestätigt. Die Eskalation der Spannungen sei praktisch absehbar gewesen. Die US-Regierung appelliere jetzt an beide Seiten, alles zu unterlassen, was die Situation weiter anheizen könne. Zugleich wurde eine Reisewarnung an US-Bürger erlassen, die sich speziell auf den Tempelberg-Bezirk bezog.

Armee erlässt Reiseverbote

Mit Reisebeschränkungen für israelische Bürger reagierte unterdessen auch die israelische Armee auf die neue Lage. Sie soll ab Freitag und auf unbestimmte Zeit gelten. Das Einreise- Verbot erstecke sich auf die palästinensischen Gebiete im Westjordanland wie im Gaza-Streifen und auf alle von den Palästinensern verwalteten Ortschaften und Städte.

Das Büro Baraks teilte mit, Barak habe mit Palästinenser- Präsident Arafat telefoniert und ihn dringend aufgefordert, alles zu tun, um die Eskalation der Gewalt zu stoppen. Anlass war auch der Tod zweier israelischer Soldaten am Donnerstag und am Freitag. Einer der beiden war an den Folgen eines Bombenanschlags gestorben, der andere war von einem palästinensischen Polizisten erschossen worden.

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