Krisentreffen in Tokio
Mitsubishi macht Daimler-Chrysler nervös

STUTTGART. Die Daimler-Chrysler AG ist offenbar nicht länger gewillt, die Krise des japanischen Partners Mitsubishi Motors (MMC) tatenlos hinzunehmen. Wie das Unternehmen am Sonntag gegenüber dem Handelsblatt bestätigte, sind die beiden Konzern-Vorstände Eckhard Cordes und Manfred Bischoff nach Tokio gereist, um die Probleme vor Ort mit der Mitsubishi-Führung zu diskutieren. Es soll dabei auch um einen vierten Führungsposten im Board von Mitsubishi gehen.

Dies läuft darauf hinaus, dass Daimler-Chrysler die Kontrolle über den künftigen Partner ausbauen will. Bislang war geplant, drei Führungsposten in Tokio zu besetzen, wobei Daimler-Vorstand Bischoff nur eine Kontrollaufgabe wahrnehmen sollte. Die beiden operativen Funktionen sollten hingegen die Daimler-Chrysler-Manager Ulrich Walker für Produktplanung und Marketing sowie Steven A. Torok (internationales Geschäft) besetzen. Nun soll ein weiterer Manager operativ verantwortlich werden. Daimler-Chrysler hatte vor wenigen Monaten eine 34 %ige Kapitalbeteiligung an MMC beschlossen, die bis Ende November vollzogen sein soll. Die Japaner hatten jüngst zugeben müssen, Defekte an Fahrzeugen jahrelang systematisch vertuscht zu haben.

Die Ausweitung der Kontrolle über Mitsubishi Motors verstärkt die Spekulationen darüber, wie weit Daimler-Chrysler den Einfluss auf den Partner-Konzern treiben will. So wurde in japanischen Zeitungen bereits spekuliert, dass der bisherige MMC-Präsident Katsuhiko Kawasoe seinen Platz für einen Daimler-Chrysler-Manager frei machen werde. Dass die Kontrolle über MMC so weit reichen wird, ist jedoch unwahrscheinlich.

Analysten warnen vor Konsequenzen

Analysten warnen jedenfalls vor den damit verbundenen Konsequenzen. Albrecht Denninghoff von der Bankgesellschaft Berlin verweist darauf, dass Mitsubishi Motors mit seinen Verlusten und hohen Schulden voll in die Daimler-Chrysler-Bilanz einbezogen werden müsste, falls der Konzern den Vorstandsvorsitzenden oder den Finanzchef stelle.

Bei "beherrschendem Einfluss" sähen die US-Rechnungslegungsvorschriften die Vollkonsolidierung, also die volle Einbeziehung der Mitsubishi- in die Daimler-Chrysler-Bilanz, vor. Dies sei der Unterschied zu Renault und deren japanischer Beteiligung Nissan Motors, sagt Denninghoff. Dort würden französische Rechnungslegungsstandards angewandt. Renault stellt mit Carlos Ghosn den Chef bei Nissan.

"Die Vollkonsolidierung von Mitsubishi wäre ein hohes Risiko", sagte Denninghoff. Dies würde die ohnehin unter Druck stehende Aktie zusätzlich schwer belasten, so der Analyst. Auch Kollegen erwarten, dass Daimler-Chrysler derzeit intensiv nach Wegen sucht, mehr Einfluss zu gewinnen, ohne Mitsubishi voll zu konsolidieren - und damit die Bilanz zu belasten.

Für das laufende Jahr rechnet Mitsubishi Motors laut Bankhaus Merck Finck & Co mit einem Verlust von 657 Mill. $. Die Nettoverbindlichkeiten des hoch verschuldeten japanischen Konzerns werden auf 18 Mrd. Euro geschätzt. Zum Vergleich: Zum Halbjahr wies Daimler-Chrysler Wertpapiere und Zahlungsmittel von 15 Mrd. Euro aus.

Es wird vermutet, dass die Krise bei MMC auch der Grund für die kurzfristige Absage einer Analystenkonferenz in der Chrysler-Zentrale in Auburn Hills gewesen ist. Als "sehr schlechtes Zeichen" wertet das Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Denn Erklärungsbedarf besteht genug: So bereiten die Chrysler-Marken dem Konzern erhebliches Kopfzerbrechen. Einige Analysten warnen, dass das Chrysler-Ergebnis deutlicher zurückgehen wird, als bisher befürchtet. Das träfe den Konzern hart, schließlich entfiel 1999 rund die Hälfte des Ergebnisses auf die US-Marken.

Zum Hintergrund: Chrysler führt eine neue Minivan-Generation ein, was auf die Absatzzahlen drückt. Zudem mussten die Rabatte nochmals deutlich erhöht werden. Das Investmenthaus Goldman Sachs hat seine Gewinnschätzungen jüngst drastisch von 6,25 Euro auf 5,69 Euro pro Aktie zurückgenommen.

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