Kritik aber auch an den Aktionärsschützern
Wenig Zustimmung für Schrempps Arbeit

Hauptversammlung von Daimler-Chrysler und Jürgen Schrempp steht in der Kritik. Welche Note würden Sie dem Konzern-Chef geben?, fragte Handelsblatt.com. Das Ergebnis ist eindeutig: Weniger als ein Drittel der mehr als 2100 Umfrageteilnehmer schreibt dem Manager ein befriedigendes oder besseres Zeugnis aus.

md DÜSSELDORF. Durchschnittsnote 4,47. Mit dieser Endabrechnung wäre wohl jeder Schüler stark versetzungsgefährdet. Der deutsche Top-Manager Jürgen E. Schrempp muss sich da keine Sorgen machen. Auch wenn ihm eine kleine Zahl der Aktionäre die Entlastung verweigert, steht der Konzernchef - gestützt vom Aufsichtsrat - auf festen Beinen da. Dennoch: In der Handelsblatt.com-Umfrage schlagen die Emotionen hoch. Von einer "gigantischen Wertvernichtung" ist da die Rede. Die Globalisierungsstrategie habe die Anleger bisher nur Geld gekostet, heißt es.

Fast ein Viertel der gut 2100 Teilnehmer schreibt dem Daimler-Chrysler-Chef ein "Ungenügend" ins Zeugnis. Die Mehrheit (37,6 %) hält seine Leistungen für "Mangelhaft". Gut 15 Prozent ist der Überzeugung, er habe "Ausreichend" gewirtschaftet. In der Kritik steht vor allem die Fusions- und Übernahmepolitik des Konzerns. Statt Kooperationen einzugehen, werde blindlings gekauft, heißt es. Dabei habe doch Bernd Pietschetsrieder bei BMW vorgemacht, wie man Milliarden vernichte. Keine gute Meinung haben einige Handelsblatt-Leser vor allem für das Führungspersonal rund um Schrempp. "Jegliche Fehlentscheidung (Fokker, Chrysler, Dornier) wird zuvor im AR abgenickt. DC ist eine Konsensgesellschaft, in der keiner seine Privillegien verlieren will. Schrempp ist nur der einzige, der sich traut, die Machtfülle an sich zu reißen", schreibt D. Heydt. Insofern habe er eigentlich einen guten Job gemacht.

Insgesamt wünschen sich die Kritiker, dass das Konzerngeflecht entwirrt und von Verlustbringern befreit wird. Schrempp, heißt es, habe von seinem einstigen Mentor Reuter nichts gerlernt, sondern dieselben Fehler wiederholt. "Wenn Schrempp nach den Grundsätzen seines großen Vorbildes Jack Welsh handeln würde, dann müsste er mit Ausnahme der Mercedes-Benz AG sämtliche zugekauften Unternehmen entweder verkaufen", spitzt Sam Blake zu.

Die Fürsprecher Schrempps weisen dagegen darauf hin, dass die Konzernstrategie langfristig zu beurteilen sein. Und langfristige Perspektiven könnten sich nun mal auch in Gewinneinbrüchen und Kursverlusten äußern. Der Konzern werde sich allerdings in einigen Jahren wieder erholen. "Ein Unternehmen vom Schlage Daimler muss über die Grenzen hinweg denken und handeln. Weiter so und durchhalten!", ist Vincent Frommel überzeugt. "Aus meiner Sicht der Dinge hat Daimler-Chrysler die Probleme im Konzern längst richtig identifiziert und setzt die Problemlösung zügig um", glaubt F. Hener. Positive Stimmen sind insgesamt allerdings in der deutlichen Minderheit. Rund ein Viertel der Leser benotet Schrempps Leistungen mit "Sehr Gut" bis "Befriedigend".

Deutliche Kritik richtet sich allerdings auch an die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Durch die öffentlichen Anschuldigen würde der Kurswert der Aktie negativ beeinflusst, heißt es. "Wenn von versagen und sofort feuern gesprochen wird, sollten wir uns vielleicht zuerst das Management des DSW näher betrachten. Wo waren diese Herren z.B. im Falle der Gebrüder Haffa kurz vor Veröffentlichung der EM.TV-Bilanz 2000?", fragt H.-G. Textor.

Die Abstimmung und Lesermeinungen finden Sie unter www.handelsblatt.com/frage

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