Kritik am DFB-Präsidenten nimmt nicht ab
Der einsame Entscheider

Bei der Suche nach einem Nachfolger für Teamchef Rudi Völler demonstriert DFB-Präsident Mayer-Vorfelder seine Macht. Und stößt dabei nicht immer auf Gegenliebe.
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FRANKFURT AM MAIN. Seine Karriere konzentriert sich seit Monaten auf diesen einen Tag. Auf den 9. Juni 2006, auf den Anpfiff der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland. Das Szenario an diesem Abend im neuen Münchner Stadion soll so aussehen: Gerhard Mayer-Vorfelder, der Politprofi und Fußball-Funktionär, steht auf der Tribüne, flankiert von Sepp Blatter, dem Präsidenten des Weltverbandes Fifa, und Franz Beckenbauer, Organisationschef der WM 2006. Dann zoomen die Kameras, und er, Mayer-Vorfelder, steht wieder einmal im Fokus.

Diese Momente genießt der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), er mag die Mikrofone und die Kameralichter, er mag sich im Mittelpunkt. Das ist auch in diesen Stunden gut zu beobachten, in denen es im deutschen Fußball nur um die Frage geht, wer neuer Bundestrainer wird. Ottmar Hitzfeld? Christoph Daum? Oder doch Otto Rehhagel? Nun, es wird wohl Hitzfeld, das war am Dienstagabend auffällig oft zu hören, aber genau die Fragen nach dem Trainer, "diese ewigen öffentlichen Debatten über den Stand der Verhandlungen" habe er vermeiden wollen, sagte der DFB-Präsident. Deshalb hat er die Suche zur "alleinigen Chefsache" erklärt.

Trotzdem, wegen seiner Chefsache droht nun Ärger. Viele Klubs spüren Ohnmacht, fühlen sich übergangen. Bayer Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser nannte den Führungsstil Mayer Vorfelders "patriarchalischen Populismus". Immer mehr Widerstand regte sich in den vergangenen Tagen gegen "MV", wie der Präsident in der Branche genannt wird. Selbst wenn der Wunschkandidat der Liga nun den Job als Nationaltrainer übernehmen sollte, finden viele, Mayer-Vorfelder könne bei der WM 2006 lieber weiter hinten Platz nehmen.

Die Kritik an "MV" nimmt nicht ab, zu undurchsichtig ist seine Suche nach einem Nachfolger für den abgetretenen Teamchef Rudi Völler. Er wird vom Branchenführer FC Bayern kritisiert, und auch die Deutsche Fußball-Liga meldet sich immer öfter zu Wort. Grund: Mayer-Vorfelder, geboren 1933 in Mannheim, hielt seinem Intimus Christoph Daum lange die Hintertür offen. Erst als der Druck stärker wurde ("Bild"-Zeitung: "Wann gibt es beim DFB die große Revolution?"), sickerte durch, dass sich "MV" nun doch mit Öffentlichkeits-Liebling Ottmar Hitzfeld getroffen habe.

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