Kritik am DSV: Hilde Gerg pokert um Abfahrts-Gold

Kritik am DSV
Hilde Gerg pokert um Abfahrts-Gold

Hilde Gerg ist vor ihrem vielleicht letzten Weltmeisterschafts-Rennen in blendender Form und bereit für das erwartete Pokerspiel, Martina Ertl passt bei der Abfahrt hingegen freiwillig.

HB/dpa ST. MORITZ. Die neue Startregel und das für St. Moritz ungewöhnlich wechselhafte Wetter haben dem Abschlusstraining eine besondere Bedeutung gegeben. Im Wettkampf um die beste Startnummer für die "Königsdisziplin" am Sonntag entschied sich Hilde Gerg am Freitag im Gegensatz zu ihren Medaillen-Konkurrentinnen für Angriff und legte in 1:36,27 Minuten die beste Zeit vor. Somit wird die 27-Jährige mit Startnummer 30 ins Rennen gehen. "Wir haben uns entschieden, voll zu fahren, um eine hohe Nummer zu bekommen", sagte sie.

Im Abschlusstraining der Herren für die Abfahrt am Samstag legte Favorit Stephan Eberharter noch nicht alle Karten auf den Tisch. Kurz vor dem Ziel bremste der Österreicher ab und kam in 1:47,87 Minuten auf den siebten Platz. Somit wird der Super-G-Sieger mit Startnummer 24 seinen Angriff auf die zweite Goldmedaille starten. Bestzeit fuhren der Schweizer Didier Cuche und Kristian Ghedina aus Italien (1:46,96).

Stefan Stankalla (1:49,12) aus Partenkirchen wurde 25. und startet als Sechster. Max Rauffer (Leitzachtal) schied aus und fand sich dabei in guter Gesellschaft. In Hermann Maier und Michael Walchhofer kamen zwei Medaillen-Kandidaten ebenfalls nicht ins Ziel. "Es kann die Nummer 1 oder 60 gewinnen. Ich weiß nicht was besser ist", wollte sich Maier nicht am Rätselraten um eine gute Position beteiligen. Das Trio muss jenseits der besten 30 antreten.

Martina Ertl überraschte am Donnerstagabend mit dem freiwilligen Verzicht auf einen Start. Nach den schwachen Resultaten im Training könnte der Rückzug der Lenggrieserin ein geschicktes Manöver gewesen sein. Die 29-Jährige ersparte sich die mögliche Schmach, in der vorgesehenen Qualifikation von ihren jungen Kolleginnen Maria Riesch (Partenkirchen/1:37,88) und Isabelle Huber (Ruhpolding/1:38,23) sowie Regina Häusl (Schneizlreuth/1:37,09) aus dem vierköpfigen Team des Deutschen Skiverbandes (DSV) geworfen zu werden und konzentriert sich nun auf die Kombination am Montag.

Hilde Gerg hat ihre Pleite mit Platz 20 im Super-G offenbar gut verdaut, und auch der mögliche Abschied von der großen Bühne des Skisports spielt für die Lenggrieserin keine Rolle. "Um das geht es jetzt überhaupt nicht. Ich will einfach ein bisschen schneller fahren als im Super-G", sagte die zweifache Saisonsiegerin. Sollte sich Hilde Gerg tatsächlich zum Ende der Saison für einen Rücktritt entscheiden, wäre die Abfahrt der letzte WM-Auftritt.

Nach tagelangem Schneefall schien am Freitag wieder die Sonne. Nun muss Hilde Gerg hoffen, dass sich die Nummer 30 als günstig erweist und ihr nicht wie beim Super-G schlechtes Wetter einen Strich durch die Rechnung macht. "Ich habe gestern Abend eine halbe Stunde vor dem Computer gesessen und die Wetterprognosen studiert", erzählte sie. In Carole Montillet (Frankreich/1:37,62) und Renate Götschl (Österreich/1:37,82) entschieden sich zwei Konkurrentinnen für eine verhaltene Fahrweise und werden früh ins Rennen gehen. Auch Häusl, Riesch und Huber werden relativ niedrige Nummern erhalten.

Unterdessen sieht sich der DSV wegen der anhaltenden Formkrise seiner Athleten Kritik ausgesetzt. "Wir haben in Deutschland eine katastrophale Situation, das muss man ganz klar sagen. Wir haben vor allem bei den Herren keine Mannschaft, damit ist das Interesse stark zurückgegangen", sagte FIS-Präsident Gian Franco. Zuvor hatte schon Ex-Star Markus Wasmeier im Gespräch mit dem Handelsblatt kein gutes Haar am DSV gelassen.

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