Kritik am Reformstau in Deutschland beim Weltwirtschaftsforum
Politiker optimistisch, Manager bleiben skeptisch

Unterschiedliche Stimmen vom Weltwirtschaftsforum in New York. Politiker aus den USA und Europa rechnen mit einer baldigen Erholung der Weltwirtschaft. Unternehmer sind anderer Ansicht.

tor NEW YORK. Nach den guten Konjunkturdaten aus der US-Wirtschaft rechnen Politiker aus den USA und Europa mit einer baldigen Erholung der Weltwirtschaft. "Das Schreckensszenario nach den Terroranschlägen am 11. September hat sich nicht bewahrheitet", sagte Horst Köhler, Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), auf dem Weltwirtschaftsforum in New York. Die befürchtete globale Krise sei abgewendet worden.

Vor allem der überraschende Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in den USA im vierten Quartal 2001 und der Rückgang der Arbeitslosenquote auf 5,6% im Januar hat die Zuversicht auf einen baldigen Konjunkturfrühling gestärkt. "Auch wenn die Wachstumszahlen noch korrigiert werden könnten, gibt es Raum für Optimismus", sagte US-Finanzminister Paul O?Neill. Er rechnet damit, dass die USA bald auf einen langfristigen Wachstumspfad mit Zuwachsraten zwischen 3 und 3,5 % zurückkehren.

Der Optimismus der Politiker steht in auffälligem Kontrast zur Skepsis führender Volkswirte und Unternehmer. "Die Konjunktur wird sich nicht verschlechtern, aber so schnell wird es auch nicht besser", sagte Michael Eskew, Chef des Transportkonzerns United Parcel Service. Einen erneuten Wachstumseinbruch in den USA befürchtet Stephen Roach, Chefvolkswirt der Investmentbank Morgan Stanley. "Es fehlen die Eckpfeiler für einen dauerhaften Aufschwung", sagte Roach dem Handelsblatt.

Kritik gab es in New York an der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und dem Reformstau in Deutschland. "Die EZB ist ein hoffnungsloser Fall", sagte Robert Gordon, Ökonomieprofessor an der Northwestern Universität in Illinois. Durch die Einengung auf die Inflationsbekämpfung laufe sie der Konjunktur ständig hinterher. Auch der Europäische Stabilitätspakt habe sich als Hindernis erwiesen. "Die Verpflichtung zum ausgeglichenen Haushalt hat bereits in den 30er-Jahren in die Katastrophe geführt", warnte Gordon.

Für Unmut sorgte der deutsche Reformstau. Manager bezeichneten Deutschland als "Bremsklotz für die wirtschaftliche Entwicklung in Europa". Ein deutscher Unternehmer klagte: "Wir sind der kranke Mann Europas."

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