Kritik am Spielplan verdirbt Vorfreude auf Revier-Duell
Bayern-Jagd wird mit drei Derbys eröffnet

Die Fans hoffen auf einen Traumstart ihrer Lieblinge, doch für die Verantwortlichen von Schalke 04 und Borussia Dortmund ist das brisante Revier-Duell schon am 1. Spieltag der Fußball-Bundesliga eher ein Albtraum. "Einen solchen Knüller zum Beginn gibt es in keinem anderen Land", schimpfte BVB-Präsident Gerd Niebaum vor dem 122. Derby am Samstag (15.30 Uhr) in der Arena "AufSchalke": "Man wird sich wohl etwas dabei gedacht haben - was, das weiß ich allerdings nicht."

HB/dpa DÜSSELDORF. Auch die Club-Oberen des Rivalen sparen nicht mit Kritik an den Spielplan-Gestaltern. Schalkes Trainer Jupp Heynckes vergleicht die Partie mit dem Schlagerspiel der Primera Division, in der er lange tätig war: "Das ist wie FC Barcelona gegen Real Madrid. Das würde nie am 1. Spieltag in Spanien stattfinden, vielleicht am 7." Beide Teams könnten jetzt noch nicht in Bestform sein, worunter die Spielqualität womöglich leide. Gleichwohl zählt der 58-Jährige den BVB zu den "Top- Favoriten" im Kampf um den Titel: "Aber es besteht kein Zweifel, dass wir das Spiel am Samstag gewinnen wollen." Verzichten muss Heynckes auf die langzeitverletzten Jörg Böhme und Niels Oude Kamphuis sowie Marco van Hoogdalem und Emile Mpenza.

Schlimmer traf es den Kollegen Matthias Sammer, der in seiner Trainer-Karriere noch nie gegen Schalke gewann. Ihn treibt die Sorge vor einem Fehlstart ausgerechnet in dem für die Fans wichtigsten Spiel des Jahres um: "Wir brauchen da doch nur mal unglücklich, vielleicht durch eine Fehlentscheidung, mit 0:1 verlieren. Dann ist bei denen alles bestens, und bei uns gibt es eine Riesenkatastrophe."

Die Befürchtungen sind nachvollziehbar. Angesichts der Verletzungsprobleme - Torsten Frings, Evanilson und Christoph Metzelder fehlen - kam die lange Sperre für Sebastian Kehl mehr als ungelegen. Dazu gesellt sich die Unsicherheit, ob Neuzugang Flavio Conceicao schon Kraft für 90 Minuten hat und ob Torhüter Roman Weidenfeller nach dem Weggang von Jens Lehmann dem wachsenden Druck als Nummer 1 standhält. Wenig förderlich waren die öffentliche Kritik und die dicken Schlagzeilen in der "Bild" nach dem 2:4 im Liga-Pokal- Finale gegen den Hamburger SV ("Roman Fliegenfänger").

Kleine Sticheleien von Lehmann gegen seinen Nachfolger taten ihr übriges. "An seiner Stelle hätte ich nicht so die Konfrontation gesucht, sondern versucht, noch ein bisschen zu lernen", ließ Lehmann aus London süffisant verlauten. Sammer ist bemüht, erst gar keinen Zweifel an den Stärken des knapp 23-jährigen Keepers aufkommen zu lassen, um einem weiteren Verlust an Selbstvertrauen bei Weidenfeller keinen Vorschub zu leisten: "Er hat mein totales Vertrauen."

Mit zwei weiteren Derbys (HSV - Hannover, Borussia Gladbach - 1. FC Köln) sowie der Partie des selbst ernannten Champions-League- Anwärters Hertha BSC gegen die UI-Cup-Versager von Werder Bremen ist auch an den anderen Schauplätzen Kribbeln beim Startschuss in die 41. Bundesliga-Saison angesagt. "Wir sind im Soll", sagte Coach Huub Stevens, und Dieter Hoeneß glaubt angesichts des neuen Sturm-Duos Wichniarek/Bobic an eine Leistungssteigerung: "Wir sind bereit." Das Mitwirken des angeschlagenen Marcelinho entscheidet sich kurzfristig.

Während der 1. FC Kaiserslautern mit der Hypothek des Drei-Punkte- Abzugs wegen der Verstöße gegen Lizenzauflagen in das erste Heimspiel gegen 1860 München geht, erwarten die Aufsteiger Köln und SC Freiburg gleich ernsthafte Auswärtsprüfungen. "Seit Anfang der Woche steigt das Fieber", gestand Freiburgs Keeper Richard Golz vor der Partie bei der laut Trainer Volker Finke schwer einzuschätzenden Elf von Bayer Leverkusen. Vorfreude pur herrscht auch in der Dom-Stadt. Dennoch dämpfte FC-Coach Friedhelm Funkel die Erwartungen vor dem rheinischen Derby bei Borussia Mönchengladbach, gegen die den Kölnern seit elf Jahren kein Sieg gelang: "Es ist doch klar, dass unser Ziel als Aufsteiger nur der Klassenverbleib sein kann."

Unter dem Druck, die im Vorjahr gezeigten Top-Leistungen zu wiederholen, reist der "Trainer des Jahres", Felix Magath, mit seinem VfB Stuttgart an die Ostsee zu Hansa Rostock. Rechtzeitig hat sich die Personallage entspannt, so dass die Schwaben auf den ersten Streich hoffen. Gestärkt durch die UI-Cup-Erfolge geht der VfL Wolfsburg in das Duell mit dem VfL Bochum und setzt auf den teuersten Einkauf der Liga. Neun-Millionen-Euro-Mann Andres D'Alessandro soll die "Wölfe" in diesem Jahr in den UEFA-Cup führen. "Ein guter Start ist wichtig. Aber Bochum hat eine gute Truppe", sagte Trainer Jürgen Röber.

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