Kritik am Veranstalter
Historische Segel-WM vor Cadiz

Vor der spanischen Küste startet am Freitag die größte Regatta-Serie aller Zeiten. Mehr als 1 800 Segel-Profis aus über 50 Ländern kämpfen bei den Weltmeisterschaften vom 12. bis zum 24. September in elf olympischen Disziplinen um 33 Medaillen. Das gab es in der Geschichte des Segelsports noch nie. Die 33 Mitglieder des deutschen Olympia- und Perspektivkaders wollen aus der spanischen Stadt Cadiz mit Gold nach Hause kommen.

HB/ HAMBURG/CADIZ. "Für unseren Sport ist diese WM ein Riesenfortschritt und Gewinn", sagte Hans Sendes (Hamburg), Sportdirektor des Deutschen Segler- Verbandes (DSV). Auch die Mehrheit der Aktiven begrüßt die Regattaserie im Großformat, die dem Segelsport mehr Öffentlichkeit und Medienakzeptanz verschaffen soll. Statt der üblichen neun Weltmeisterschaften für neun olympische Klassen mit elf Disziplinen gibt es jetzt nur eine Veranstaltung.

Zwei Tage vor Beginn der Regatten gab überraschend Axel Güpner (München) seinen Rückzug vom Amt des Vorsitzenden des Olympia- Segelausschusses (OSA) im DSV nach elfjähriger ehrenamtlicher Tätigkeit bekannt. Den Posten übernimmt DSV-Vizepräsident Emil Steinke (Berlin).

Die Aktiven freuen sich unterdessen auf das Großereignis. "Hier wird nicht gekleckert, sondern geklotzt", meinte Tornado-Segler Johannes Polgar (Kiel), "denn endlich kommt eine Segel-WM einmal im Format wie eine kompakte und spannende Schwimm-WM daher." Doch wo Licht ist, gibt es auch Schatten. Roland Gäbler (Tinglev), dreimaliger Tornado-Weltmeister, kritisiert die Veranstalter: "Wo sind denn die Medien und die Fans? Hier ist alles abgeriegelt. Wir können nicht einmal mit dem Auto in den Hafen fahren. Und sogar Kinder müssen für einen Eintrittspass 50 Euro bezahlen."

Qualifikation für die olympischen Spiele 2004

Gäbler und sein Vorschoter Gunnar Struckmann hatten bereits in der vergangenen Woche mit ihrem Schicksal gehadert. Der Frachter, der ihren Tornado nach Cadiz bringen sollte, war verunglückt und musste umkehren. Das Boot des Bronzemedaillen-Gewinners der Olympischen Spiele von Syndey traf erst am Montag ein. "Wir haben eine Woche Training verloren und das hat schon auf die Stimmung geschlagen", schimpfte Gäbler. Der olympische Wiedereinsteiger kämpft weiter um den Anschluss an die Weltspitze: "Ein Platz unter den Top 12 wäre ein Traum. Das wäre die NOK-Norm für Athen."

Neben WM-Ehren geht es vor allem um die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2004. Aus deutscher Sicht fehlen noch die Nationenstartplätze in den Männer-Disziplinen Tornado, Star, Mistral, Laser, 470er und 49er. Alle vier Frauen-Disziplinen haben diese Hürde bereits genommen.

Deutsche Medaillenhoffnungen ruhen auf den amtierenden 49er- Europameistern Marcus Baur (Kiel) und Max Groy (Fleckeby), der olympischen Silbermedaillen-Gewinnerin von Syndey Amelie Lux (Kiel) in der Mistral-Klasse, dem Starboot-Duo Marc Pickel (Kiel) und Tony Kolb (Bremen), den beiden international erfolgreichen Yngling-Crews von Ulrike Schümann (Berlin) und Kristin Wagner (München) sowie den Europe-Rivalinnen Petra Niemann (Berlin) und Christiane Petzke (Enkhuizen). DSV-Präsident Dierk Thomsen (Kiel) hält sich mit einem Medaillentipp zurück. "Bei der internationalen Leistungsdichte sind alle Überraschungen nach oben wie nach unten möglich."

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