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Kritik am Vorschlag zur Vier-Tage-Woche

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) ist mit einer Anregung zur Diskussion über weitere Arbeitszeitverkürzungen auch im Gewerkschaftslager auf ein zurückhaltendes Echo gestoßen.

rtr BERLIN. "Aktuelle Forderung der IG Metall ist das nicht", sagte eine Sprecherin dieser Gewerkschaft am Dienstag in Frankfurt. Die Arbeitgeber lehnten den Vorstoß rundweg ab. "An den Nachwirkungen der 35-Stunden-Woche für die Wettbewerbsfähigkeit leiden die Unternehmen noch heute", hieß es in einer in Berlin verbreiteten Erklärung der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA).

"Die Vier-Tage-Woche ist kein Tabu, da darf es kein Denkverbot geben", sagte DGB-Tarifexperte Reinhard Dombre der "Bild"-Zeitung zu Mitteln und Wegen, die derzeit bei 3,7 Millionen liegende Zahl der Arbeitslosen in Deutschland zu senken. Bei Volkswagen habe dieses Modell vor sieben Jahren 20 000 bis 30 000 Stellen gerettet. Eine Sprecherin der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sagte dem Blatt, alle Formen der Arbeitszeitverkürzung müssten genutzt werden, um die Arbeit neu zu verteilen.

IG-Metall fordert lieber mehr Lohn

Die IG-Metall-Sprecherin Dagmar Opoczynski hob die bei VW damals gefundene Lösung zwar auch als beispielhaft hervor. Im Moment treibe die Frage des Überstundenabbaus ihre Gewerkschaft aber mehr um. Bei den Tarifrunden des nächsten Jahres werde nicht die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung, sondern nach mehr Lohn im Vordergrund stehen.

"Statt weiterer kollektiver Arbeitszeitverkürzung brauchen wir mehr Arbeitsflexibilisierung", forderte die BDA. Weitere Arbeitszeitverkürzungen wären kontraproduktiv für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen und die Schaffung neuer Arbeitsplätze in Deutschland, erklärte der Verband.

Auch der arbeitsmarktpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Dirk Niebel, sagte, weitere Arbeitszeitverkürzungen bei vollem Lohnausgleich würden sich für die deutsche Wirtschaft als Wettbewerbsnachteil auswirken. Wesentliche Voraussetzung für mehr Beschäftigung sei eine weitere Flexibilisierung der Arbeitszeit und des Arbeitsmarkts. Unter anderem verhinderten der besondere Kündigungsschutz und das Tarifgefüge für ältere Arbeitnehmer deren Neueinstellung. Auch die Möglichkeiten für befristete Beschäftigungsverhältnisse müssten verbessert werden.

Der Wirtschaftsweise Wolfgang Wiegard lehnte eine Vier-Tage-Woche ab. "Wenn ein Diplomingenieur bei Gehaltsverzicht einen Tag weniger arbeitet, kann er nicht einfach von einer ungelernten Arbeitskraft ersetzt werden", sagte das Mitglied des Sachverständigenrats der Bundesregierung der "Bild"-Zeitung.

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