Kritik an Aktien-Analysten bedroht Geschäftsmodell der Banken
Trennung von Research und Firmenkundengeschäft gefordert

Der weltgrößte Analystenverband empfiehlt einen radikalen Umbau der Research-Abteilungen von Investmentbanken. Die Association for Investment Management and Research (AIMR) hat einen Ethik-Kodex vorgelegt, wonach Aktienanalyse und Firmenkundengeschäft künftig strikt zu trennen sind.

kk/tmo NEW YORK/FRANKFURT. Bislang ziehen Bankanalysten lukrative Aufträge für Börsengänge und Anleihe-Emissionen an Land. Ihre Boni richten sich oft nach den Erträgen im Investmentbanking. Diese Praxis stößt in den USA auf harte Kritik. Im Börsenboom hätten Analysten geschönte Urteile veröffentlicht, um keine Firmenkunden zu verärgern, sagen Kritiker. Gute Geschäftskontakte hätten mehr gezählt als kritische Studien.

Nach dem AIMR-Entwurf ist eine direkte Verbindung zwischen Investmentbanking und Analystengehalt künftig verboten, um jedwede Interessenkonflikte zu vermeiden. Empfohlen wird auch, dass Analysten nicht mehr an der Vorbereitung von Börsengängen teilnehmen dürfen. "In letzter Konsequenz bedeutet das, dass die Banken spezielle Investmentbanking-Analysten brauchen, um bei Börsengängen weiter einen Branchenspezialisten zu haben", sagte AIMR-Vorstand Price.

Die US-Investmentbank Merrill Lynch plane bereits ein solches Modell: Einzelne Analysten sollen dort ausschließlich für die Investmentbanker arbeiten. Wer öffentliches Research erstellt, hat nichts mehr mit den Firmenkunden zu tun.

Allerdings können sich nur wenige Banken eigenständige Researchteams leisten, sagen Branchenvertreter. Zudem gingen Synergien zwischen Investmentbanking und Research verloren. In den USA stehen Investmentbanken massiv unter Druck. Der US-Kongress hat seine Ermittlungen auf Goldman Sachs und die Credit-Suisse-Tochter CSFB ausgeweitet. Merrill Lynch zahlte 500 Mill. $ in einem Vergleich mit der Staatsanwaltschaft. Deren Chef Eliot Spitzer hat jetzt auch die Citigroup-Tochter Salomon Smith Barney ins Visier genommen.

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