Kritik an Amtsführung oder persönliche Fehltritte
Schröder verliert achten Minister in Folge

Die Honorar-Affäre von Verteidigungsminister Rudolf Scharping beschert Bundeskanzler Gerhard Schröder (beide SPD) knapp zwei Monate vor der Bundestagswahl den achten Minister-Rücktritt seit Antritt der rot-grünen Regierung im Herbst 1998.

Reuters BERLIN. Kritik an der Amtsführung der Minister oder persönliche Fehltritte waren in den meisten Fällen Auslöser für den Abtritt. Aber auch berufliche Alternativen hatten einige Ressortchefs zum Rückzug aus dem Bundeskabinett bewogen. Zuletzt hatte Schröder im Januar 2001 mit der früheren Gesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) und dem damaligen Landwirtschaftsminister Karlheinz Funke (SPD) gleich zwei Kabinettsmitglieder auf einen Schlag verloren. Ihnen waren Versäumnisse bei der BSE-Krise vorgeworfen worden.

Als der spektakulärste und überraschendste Minister-Rücktritt gilt nach wie vor das Ausscheiden des früheren Finanzministers Oskar Lafontaine (SPD), der im Frühjahr 1999 nach erheblichen Meinungsverschiedenheiten mit Schröder in der Steuerpolitik seinen Posten aufgab. Lafontaine trat gleichzeitig auch als SPD-Vorsitzender zurück.

Im Sommer 1999 musste Kanzleramtsminister Bodo Hombach (SPD) auf Schröders Wunsch das Kabinett verlassen, um Koordinator für den Balkan-Stabilitätspakt zu werden. Hombach hatte auch in den eigenen Reihen Kritik wegen angeblicher Fehler in der Amtsführung und Intrigen auf sich gezogen. Zudem gab es Vorwürfe, er habe beim Bau eines Hauses unrechtmäßige finanzielle Unterstützung des Veba-Konzerns erhalten.

Einige Wochen später gab der damalige Bau- und Verkehrsminister Franz Müntefering sein Amt auf, weil er nach dem Willen der SPD SPD-Generalsekretär-Spitze werden sollte.

Im November 2000 trat Münteferings Nachfolger Reinhard Klimmt (SPD) als Verkehrsminister zurück, nachdem gegen ihn ein Strafbefehl wegen Beihilfe zur Untreue in einer Finanzaffäre um den 1. FC Saarbrücken ergangen war. Er wolle mit der öffentlichen Diskussion über den Strafbefehl die Arbeit der Regierung nicht länger belasten, hatte Klimmt zur Begründung erklärt. Kurz darauf kündigte Kulturstaatsminister Michael Naumann (SPD) seinen Rückzug zum Jahreswechsel an. Er hatte ein Angebot der Wochenzeitung "Die Zeit" angenommen und ging als Mitherausgeber nach Hamburg.

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