Kritik an Auswahl
Deutsche Bahn landete „Marketingflop 2002“

Die Deutsche Bahn hat einer Äußerung ihres Vorstandschefs Harmut Mehdorn den Negativpreis "Marketingflop 2002" zu verdanken. 7500 Marketing-Experten und andere Wirtschaftsvertreter verliehen dem Unternehmen bei einer Internet-Befragung der Universität Stuttgart-Hohenheim die zweifelhafte Auszeichnung.

HB/dpa STUTTGART. Mit der Aussage, Bahnfahrten von länger als vier Stunden seien eine Tortur, habe Mehdorn gegen einfachste Marketing-Regeln verstoßen, hieß es in einer Mitteilung der Universität vom Dienstag. Zehn vorab ausgesuchte Kandidaten standen zur Auswahl.

Die Bahn wies die Kritik zurück und bezichtigte die Universität "schlampiger Recherche". Mehdorn habe in einem TV-Gespräch dafür plädiert, dass die Bahn bei Entfernungen bis 500 Kilometer das attraktivste Verkehrsmittel werden müsse. Dafür müsse etwa die Strecke München-Berlin ausgebaut werden, für die man bislang noch sechseinhalb Stunden brauche. Die Fahrzeit müsse aber unter vier Stunden verkürzt werden, weil alles darüber hinaus "für Geschäftsleute mit vollem Terminkalender nicht darstellbar und eine Tortur" sei.

Die Bahn belegte auch den zweiten Platz: In Werbeanzeigen, mit denen im Dezember für das neue Preissystem geworben wurde, hatte sich das Unternehmen in einer Beispielrechnung verkalkuliert. Obwohl das neue Preissystem als "logisch und transparent" angepriesen wurde, sei in der Anzeige der Rabatt falsch berechnet worden, hieß es. Die Bahn gab zwar einen Druckfehler in der Überschrift zu, aber keinen Rechenfehler.

Der Einzelhandel landete auf Platz drei. Die Teilnehmer der Befragung kritisierten, dass viele "schwarze Schafe" die Einführung des Eurobargeldes verdeckt oder offen zu Preiserhöhungen missbraucht hätten. Dies habe Anfang des vergangenen Jahres zu erheblicher Verunsicherung der Kunden und dadurch zu Konsumzurückhaltung sowie schlechten Geschäften des gesamten Einzelhandels geführt.

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