Kritik an der Telekom
Gerhardt fordert Internet ohne Taktung

Der FDP-Vorsitzende will die Telekom dazu drängen, Ortsnetzkapazitäten pauschal für alle Internet-Service-Provider bereitzustellen.

HB DÜSSELDORF. Der FDP-Bundesvorsitzende Dr. Wolfgang Gerhardt ist neues Mitglied der vor wenigen Wochen gegründeten Internetkoalition für eine Großhandelsflatrate in Deutschland. Die vor acht Wochen von Vertretern der deutschen Internetwirtschaft gegründeten Vereinigung setzt sich für einen pauschalen Einkauf von Ortsnetzkapazitäten für alle Internet-Service-Provider ein. "Wir müssen uns verabschieden von der alten Telefonwelt. Deutschlannd braucht neue Tarife für ein neues Medium", forderte der liberale Politiker am Samstag. Ziel der Koalition ist eine spürbare Senkung der Internetkosten durch eine Weitergabe kalkulierbarer Großhandelspreise von der Deutschen Telekom an die Wettbewerber.



Noch immer verhindern die derzeitigen Abrechnungsstrukturen zwischen der Deutschen Telekom und den Providern in Deutschland die Einführung einer für die Unternehmen wirtschaftlichen und für die Endverbrauchern preislich akzeptablen Flatrate. Der Grund: Die bisherige Minutentaktung für die Provider macht die Flatrate für diese Anbieter zu einem unkalkulierbaren Risiko. Das Uhrenticken während der Nutzung der Telekom-Ortsnetze gleicht für viele Unternehmen dem Ticken einer Zeitbombe, die die eigene Wirtschaftlichkeit sprengt. Nur die Einführung einer Großhandelsflatrate - dabei zahlen die Provider einen Pauschalpreis für Netzkapazitäten an die Deutsche Telekom - kann dieses Risiko aus dem Weg räumen.



"Wenn die Provider nicht bald selbst pauschal Ortsnetzkapazitäten von der Deutschen Telekom einkaufen können, werden erschwingliche Flatrates in Deutschland eine Utopie bleiben," so Gerhardt, "Eine Flatrate auf der Basis eines minutenbasierten Einkaufs anbieten zu wollen, bedeutet gerade für den Mittelbau der deutschen Provider den sicheren Ruin."



Das hohe Kostennievau für die Internetnutzung in Deutschland bremst den deutschen eCommerce. Eine im Februar 2000 erschienene Studie mit dem Titel "Flatrate - Wachstum und Beschäftigung in Deutschland" unter der Leitung von Prof. Dr. Paul Welfens bestätigt dies. Bei der Einführung einer Flatrate könne durch ein Absenken der Telefongebühren für das Internet um 20 bis 50 Prozent allein das Bruttoinlandsprodukt um 0,5 Prozent oder 19 Milliarden Mark steigen. Der reine Beschäftigungseffekt würde sich auf bis zu 400.000 Arbeitsplätze belaufen.



Der Sprecher der Initiative "Internet ohne Taktung", Philipp Sudholt, freut sich über den Beitritt von Wolfgang Gerhardt. Mit Gerhardt habe die Internetkoalition erneut einen engagierten Mitstreiter aus der Politik gefunden. In der Koalition könnten Vertreter von Verbrauchern, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft ihre Aktivitäten zugunsten einer Änderung der für den deutschen Telekommunikationsmarkt politisch und wirtschaftlich relevanten Rahmen-bedingungen wirkungsvoll bündeln, so Sudholt. Außerdem werde sie wertvolle Anregungen für die weitere Entwicklung von Internet und E-Commerce in Deutschland geben können.



In der Koalition, die sich auf Anregung der Bürgerinitiative "Internet ohne Taktung" kürzlich in Berlin gegründet hat, sind bislang die Internet-Service-Provider AOL Deutschland und freenet.de AG, das Start-up-Unternehmen dooyoo.de, das Europäische Institut für Internationale Wirtschaftsbeziehungen der Universität Potsdam (EIIW) sowie SPD und CDU vertreten. Die Koalition engagiert sich für eCommerce freundlichere Bedingungen in Deutschland und setzt sich insbesondere für eine Großhandelsflatrate ein, damit sich das Internet hierzulande tatsächlich zu einem Massenmedium entwickeln kann.

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