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Kritik an Kompromiss zu IAS 39

An dem Kompromiss zur Bilanzierung von Finanzinstrumenten wird auch nach der Einigung in Brüssel ...

An dem Kompromiss zur Bilanzierung von Finanzinstrumenten wird auch nach der Einigung in Brüssel Kritik geübt. Eine europäische Version der internationalen Rechnungslegungsstandards sei ein Hemmschuh im globalen Konvergenzprozess. Dies meldet die Börsen-Zeitung am 10. 9. 2004.
Der Finanzvorstand der Deutschen Bank und Präsident der Schmalenbach-Gesellschaft, Clemens Börsig, hält das europäische Verfahren zur Anerkennung (Endorsement) der internationalen Standards insgesamt für falsch. Besser wäre aus Sicht des Managers ein unabhängiger Standardsetter nach US-amerikanischem Vorbild. Das IASB sei als Standardsetter angetreten, internationale Regeln zu entwickeln und keine europäischen, betonte Börsig in einem Pressegespräch zum Betriebswirtschafter-Tag. Eine europäische Version der IFRS sei nicht hilfreich für die Konvergenz mit den US-Normen US-GAAP.
Den Kompromiss, für die Bilanzierung von Finanzinstrumenten Teile des Standards IAS 39 befristet auszuklammern, hält Börsig für akzeptabel. Die Deutsche Bank, die als in den USA gelistetes Unternehmen nach US-GAAP bilanziert, sei damit jedoch benachteiligt gegenüber einem nach IFRS Rechnung legenden Konkurrenten.
In Wirtschaftsprüferkreisen werden Bedenken zur abgespeckten IAS 39-Variante geäußert. Formal gesehen gebe es keine Möglichkeit, freiwillig IAS 39 komplett anzuwenden, denn nach Vorgabe der EU-Verordnung zur Einführung der internationalen Standards dürfe nur auf die Regeln zurückgegriffen werden, die Die Zustimmung der EU-Kommission bekommen hätten. Fraglich sei, ob Banken, die dem Stigma eines IAS-light-Abschlusses entgehen wollten, freiwillig die volle Version anwenden dürfen. So hatte die britische HSBC kundgetan, sie werde ihren Konzernabschluss in jedem Fall auf Basis des originären IAS 39 erstellen. Mögliche Probleme werden auch in der Akzeptanz durch die US-Börsenaufsicht SEC gesehen. In Bankenkreisen wird darauf hingewiesen, dass die EU-Kommission in einer Ergänzung zur IAS-Verordnung festgelegt habe, inwieweit ein nicht anerkannter Standard angewendet werden kann. Danach gebe es keine Probleme beim Hedge Accounting, während Teile der Fair Value Option möglicherweise gegen eine EU-Richtlinie verstoßen könnten.

Quelle: FINANZ BETRIEB, 14.09.2004

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