Kritik an Möllemann verschärft sich
Lambsdorff fragt: Ist Möllemann normal?

In der FDP wird die Kritik am nordrhein- westfälischen Landesvorsitzenden Jürgen Möllemann immer schärfer. Der Ehrenvorsitzende Otto Graf Lambsdorff meldete am Mittwoch sogar Zweifel am Geisteszustand von Möllemann an.

HB/dpa BERLIN. Auch seine Stellvertreterin im Landesvorsitz, Ulrike Flach, und das FDP-Präsidiumsmitglied Birgit Homburger distanzierten sich von ihm. Möllemann bestritt unterdessen erneut, dass er im Gespräch mit dem Magazin "Stern" die Führungsqualitäten von Parteichef Guido Westerwelle in Frage gestellt habe.

Möllemann war auf Forderung des Parteipräsidiums nach der für die FDP enttäuschenden Bundestagswahl als Partei-Vize zurückgetreten. Hauptkritikpunkt war Möllemanns kurz vor der Wahl mit Flugblättern erneut gestartete antiisraelische Kampagne. Gegen den Widerstand Westerwelles will er FDP-Landeschef in NRW bleiben und stellt sich am 7. Oktober bei einem Sonder-Landesparteitag einer Kampfabstimmung gegen seinen Stellvertreter, den Wirtschaftswissenschaftler Andreas Pinkwart.

Lambsdorff unterstützte die Forderungen nach Rücktritt Möllemanns auch als NRW-Landeschef. Im DeutschlandRadio Berlin sagte er, Möllemann habe den Wahlkampf der FDP zerstört und die Bundesrepublik möglicherweise um einen Politikwechsel gebracht. Es sei nicht nachvollziehbar, dass Möllemann einerseits Westerwelle eine Zusammenarbeit anbieten und andererseits im Magazin "Stern" die Führungsarbeit kritisieren konnte, sagte Lambsdorff. "Man fragt sich manchmal: Ist der Mann bei all seiner Begabung, bei all seinem politischem Geschick, ist der normal?"

Das Versöhnungsangebot Möllemanns an Parteichef Guido Westerwelle vom Mittwoch ist nach Ansicht des Präsidiumsmitglieds Homburger ein taktisches Manöver. Es sei nur der Versuch, "sich vor dem Sonderparteitag in Nordrhein-Westfalen eine günstige Ausgangsbasis zu schaffen", sagte Homburger dem Konstanzer "Südkurier" Mit seiner Flugblatt-Aktion kurz vor der Bundestagswahl habe Möllemann die "vertrauensvolle Zusammenarbeit" im FDP-Führungszirkel durch "Illoyalität" zerstört. Stellvertreterin Flach sagte, sie werde auf dem Sonderparteitag Pinkwart unterstützen. "Es ist an der Zeit, einen Neuanfang zu wagen."

Pinkwart gibt sich gute Chancen, Möllemann abzulösen. Der "Rhein- Zeitung" sagte er: "Die FDP muss aus dem Zwielicht raus und eine weltoffene und tolerante Partei in der Mitte bleiben. Wir brauchen jetzt den Neuanfang." Dem Bonner "General-Anzeiger" sagte Pinkwart, Möllemann habe sich eben nicht für seine "unsägliche" Flugblattaktion entschuldigt, sondern sich der Verantwortung für das entzogen, "was er der Partei angetan hat. Das zeigt mir, dass er in dieser sensiblen Frage nicht einsichtig ist". FDP-Präsidiumsmitglied Günter Rexrodt meinte in der Sendung "Vorsicht! Friedman" im Hessischen Rundfunk, Pinkwart habe "allerbeste Chancen", gegen Möllemann zu gewinnen.

Einen Tag nach seinem erzwungenen Rücktritt als stellvertretender FDP-Bundesvorsitzender hatte Möllemann am Dienstag Westerwelle die Versöhnung angeboten. Er räumte ein, dass sein umstrittenes Wahlkampf-Flugblatt ein Fehler gewesen sei. "Wer es gut mit der FDP meint, der bringt nicht die beiden stärksten Politiker dieser Partei gegeneinander auf", sagte Möllemann. Zugleich dementierte er, dass er gegenüber dem Magazin "Stern" die Führungsqualitäten von Westerwelle bezweifelt habe.

Nach Angaben des "Stern" hat Möllemann über Westerwelle gesagt: "Er hat schwere strategische Fehler gemacht und sich nicht getraut, Führung zu zeigen, Themen zu setzen und die dazu passenden Figuren nach vorn zu schieben... Westerwelle ist einfach zu dünn." Möllemann erklärte dazu: "Dieses Zitat ist nicht von mir. Es ist frei erfunden." Er halte dies für "vollkommen unverantwortlich" und erwarte eine Klarstellung von dem Magazin. "Stern"-Autor Hans-Peter Schütz blieb bei seiner Darstellung. Er habe sich am 6. September mit Möllemann in Düsseldorf zu einem Mittagessen getroffen. Bei diesem Gespräch sei das Zitat gefallen.

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