Kritik an Reformplänen
Sergejew dementiert Berichte über Rücktrittsdrohung

Er habe lediglich im Kreise von Kollegen über den Wert einer Armeereform in politischer, wirtschaftlicher und militärischer Hinsicht gesprochen

Reuters MOSKAU. Russlands Verteidigungsminister Igor Sergejew hat Pläne heftig kritisiert, den Atomstreitkräften des Landes ihre Eigenständigkeit innerhalb der Armee zu entziehen. Gleichzeitig wies der Minister am Freitag Berichte der russischen Nachrichtenagentur Interfax zurück, er habe mit seinem Rücktritt gedroht, sollte das Vorhaben in die Tat umgesetzt werden. Allerdings stehe er zu seiner Kritik an den Reformplänen, zitierte ihn die Agentur Itar-Tass. Interfax zufolge hatte er die Wehrreform als "Verbrechen am russische Volk" und "blanken Wahnsinn" bezeichnet, den er nicht mitmachen werde.

Sergejew sagte Itar-Tass, der Bericht über die angebliche Rücktrittsdrohung beruhe auf einem Missverständnis. Er habe lediglich im Kreise von Kollegen über den Wert einer Armeereform in politischer, wirtschaftlicher und militärischer Hinsicht gesprochen. Mit seinem Rücktritt habe er dabei nicht gedroht.

Das Reformvorhaben, das von Generalstabschef Anatoli Kwaschnin unterstützt wird, hatte Sergejew einer Meldung von Interfax zufolge einen verrückten Anschlag genannt, der die Streitkräfte zerstören würde. Falls die Pläne umgesetzt würden, "dann ohne mich", zitierte Interfax den Verteidigungsminister.

Das russische Militär hatte am Donnerstag einen Zeitungsbericht dementiert, wonach in der Führung ein Streit um den Status der Atomstreitmacht entbrannt sei. Die Tageszeitung "Kommerssant" hatte berichtet, die von Generalstabschef Kwaschnin vorgebrachten Vorschläge seien ein beispielloser Affront gegen Sergejew, der sich als ehemaliger Kommandeur der Atomraketen-Streitkräfte für deren Unabhängigkeit stark mache.

Sergejew äußerte Interfax zufolge seine Rücktrittsdrohung am Freitag auf einer Reise durch die Ural-Region, die er gemeinsam mit Präsident Wladimir Putin absolvierte. Putin hatte Sergejew in der vergangenen Woche öffentlich Versäumnisse bei der Bekämpfung tschetschenischer Extremisten in Tschetschenien vorgeworfen. Die Befürworter der von Sergejew abgelehnten Reformpläne argumentieren, dass durch die Wehrreform mehr Geld in die Modernisierung der von chronischen Finanznöten geplagten konventionellen Streitkräfte fließen könne. Die Atomstreitkräfte müssten sich hingegen nach dem Ende des Kalten Krieges mit Kürzungen abfinden.

Russland hat den USA vorgeschlagen, über die bereits abgeschlossenen Abrüstungsverträge hinaus die Atomwaffen beider Seiten weiter zu reduzieren. Nach den Vorschlägen sollte die bislang angestrebte Obergrenze von je 3500 Atomsprengköpfen auf jeweils 1500 reduziert werden. Die Bedeutung der Atomstreitkräfte würde damit weiter geschwächt. In Russland wird diesen eine tragende Rolle in der Sicherheitsstrategie des Landes beigemessen.

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