Kritik an Restrukturierung
Mobilcom-Vorstand platzt der Kragen

Eine kritische E-Mail wurde einer Personalmanagerin zum Verhängnis. Mobilcom-Vorstand Thorsten Grenz war so erbost, dass er die Frau vor die Tür setzte.

vwd BÜDELSDORF. Nach dem nur knapp überstandenen Überlebenskampf der Mobilcom AG scheinen beim Vorstandsvorsitzenden Thorsten Grenz die Nerven blank zu liegen. Nun wurde einer Personalmanagerin eine kritische E-Mail, in der sie interne Organisationsmängel anspricht, zum Verhängnis. Grenz entließ nach Angaben aus Unternehmenskreisen die Mitarbeiterin zum 31. März 2003 und stellte sie ab sofort von der Arbeit frei. Eine Begründung habe er nicht genannt.

Mobilcom-Sprecher Matthias Quaritsch sagte auf Anfrage, dass das Unternehmen zu Personalentscheidungen keine Stellung nimmt. Auch die Personalmanagerin wollte keinen Kommentar dazu abgeben.

Die Personalmanagerin der Mobilcom Multimedia GmbH, die zur AG wechseln sollte, hat nach Angaben aus den Unternehmenkreisen zuvor den Vorstand in einem Schreiben über die Fehler der Restrukturierung informiert. Darüber habe Grenz sich so geärgert, dass er die Leitende Mitarbeiterin vor die Tür gesetzt habe, hieß es.

Die Mitarbeiterin hatte in der E-Mail kritisiert, dass der Zeitplan für die geplante Restrukturierung des Unternehmens "utopisch" gewesen sei. Der Vorstand habe die Verhandlungen mit dem Betriebsrat über die Rahmenvereinbarung zu Entlassungen und Sozialplänen so schlecht geführt, dass eine Zeitverzögerung von mindestens "sechs bis sieben Wochen" eingetreten sei, geht aus dem vwd vorliegendem Schreiben hervor. Daraufhin seien viele Mitarbeiter gezwungen worden, "bis zu 20 Stunden und mehr" pro Tag zu arbeiten, um die Aufgaben zu erledigen.

Fehler seien auch bei der Zustellung der über 1 000 Kündigungen durch einen externen Dienstleister passiert, heißt es weiter. "Da es keine Zeitreserve für eine Zustellung am nächsten Tag gab, konnten wir hier auch nichts mehr heilen", beschrieb die Personalmanagerin die Situation. Außerdem kritisierte sie die Aktenführung: "Die Personalakten unserer langjährigen Mitarbeiter sind so löcherig, dass eine Historie über einen Mitarbeiter kaum möglich ist".

"In Bezug auf künftige Restrukturierungsmaßnahmen, die wir auf Grund unserer schlechten wirtschaftlichen Lage wohl kaum vermeiden können" seien deswegen die Einführung eines Personalinformationssystems und andere Maßnahmen erforderlich, lautet das Fazit der Mitarbeiterin in dem Schreiben.

Die Kündigung der Mitarbeiterin hat den Angaben zufolge viele Kollegen schockiert und die Stimmung im Unternehmen verschlechtert. "Wenn Grenz bleibt, überleben wir das nächste Jahr nicht", sagen Mitarbeiter. Das Unternehmen benötige einen Vorstand, der vor allem im Vertrieb hohe Kompetenz habe, wie beispielsweise Joachim Dreyer, den Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid seinerzeit als Aktien-Treuhänder vorgesehen hatte.

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