Kritik an Schiedsrichter-Leistung
Italien fühlt sich betrogen

Italien hat sich als schlechter Verlierer von der Weltmeisterschaft verabschiedet. Spielmacher Francesco Totti unterstellte dem Schiedsrichter "böse Absicht", als der ihn wegen einer Schwalbe vom Platz stellte und das Golden Goal von Tommasi nicht gab. Coach Giovanni Trapattoni fühlt sich als Opfer einer Verschwörung.

dpa DAEJEON. Mit Betrugsvorwürfen und Komplott- Vermutungen hat sich Italien als schlechter Verlierer von der Weltmeisterschaft verabschiedet. Schiedsrichter Byron Moreno und dunkle Mächte im Weltverband FIFA machte Nationaltrainer Giovanni Trapattoni nach der Achtelfinal-Niederlage gegen Südkorea für das frühe Scheitern des dreimaligen Weltmeisters verantwortlich. "Hier sind Interessen im Spiel", sah der aufgebrachte "Maestro" sich und sein Team als Opfer einer Verschwörung und schürte damit die Wut in der Heimat. "Das sind schmutzige Weltmeisterschaften", schimpfte der "Corriere della Sera".

Spielmacher Francesco Totti unterstellte dem Schiedsrichter "böse Absicht", als dieser ihn in der Verlängerung wegen einer angeblichen Schwalbe im Strafraum vom Platz stellte und Tommasi das Golden Goal wegen angeblichen Abseits aberkannte. "Wir haben mit Elf gegen Zwölf gespielt", schimpfte Totti über den "untauglichen Schiedsrichter, der 20 Kilo zu viel hatte". "Wir wurden bestohlen", unterstellte Alessandro Del Piero, der wie die meisten Italiener nur wenige Worte über die vielen kläglich vergebenen Torchancen verlor.

Der "Corriere dello Sport" bezeichnete den Referee aus Ekuador als "Killer-Schiedsrichter". Und der "Corriere della Sera" wollte sogar in Erfahrung gebracht haben, dass sich der Botschafter des Andenstaates in Rom für die Fehlers seines Landsmannes entschuldigt habe. "Auch FIFA-Präsident Sepp Blatter war wegen der Schiedsrichterleistung sprachlos", behauptete Italiens Delegationschef Raffaele Ranucci.

Die "La Gazzetta dello Sport" dagegen bezichtigte mit ihrer Überschrift "Blatters Schwindeleien" den FIFA-Boss selbst als Drahtzieher eines angeblichen Komplotts. Weil Italiens Verbandspräsident Franco Carraro die beklagte Benachteiligung der "Azzurri" im Turnier nicht hatte verhindern können, fordern Politiker in Rom jetzt seinen Rücktritt. "Die Schiedsrichterleistung war eine Schande. Wir zählen offensichtlich nichts mehr in der FIFA", meinte Ex-Staatspräsident Francesco Cossiga.

Das Staatsoberhaupt Carlo Azeglio Ciampi drückte sich vorsichtiger aus. "Wir hatten den Sieg verdient", meinte Ciampi, der Trapattoni direkt nach der Niederlage angerufen hatte. Ob der 63-Jährige tatsächlich wie angekündigt bis zur Europameisterschaft im Amt bleibt, ist fraglich. "Auch Trapattoni ist Schuld", forderte "Tuttosport" am Mittwoch bereits seinen Rücktritt. "Wegen seiner Ängstlichkeit sind wir gescheitert", kritisierte "Il Giornale" die zu defensive Taktik des ehemaligen Bayern-Trainers.

Als mögliche Nachfolger brachte "La Repubblica" den nach der Finalniederlage bei der EM zurückgetreten Dino Zoff und Ex- Nationaltrainer Arrigo Sacchi ins Gespräch. Eine Entscheidung über Trapattonis Zukunft will der selbst angeschlagene Verbandspräsident Carraro erst nach einer "sachlichen Analyse mit kühlem Kopf" in der Heimat treffen. Dorthin kehrt die "Squadra Azzurra" am Donnerstag zurück. Trapattoni hat einen Rücktritt ausgeschlossen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%