Kritik an teuren Spitzenmodellen
Seat-Absatz in Deutschland bricht ein

Die VW-Tochter Seat hat auf dem deutschen Markt zu kämpfen. Im ersten Halbjahr brach der Verkauf um knapp 20 % ein. Nur Mazda und Mitsubishi schnitten schlechter ab. Seat-Händler kritisieren unterdessen vor allem die Vertriebspolitik von Pischetsrieder.

HB HANNOVER. Für das Gesamtjahr hofft der seit wenigen Monaten amtierende Deutschland-Geschäftsführer Peter Maiwald auf 50 000 verkaufte Autos. Das sind 10 000 weniger als vor einem und 20 000 Fahrzeuge weniger als vor zwei Jahren. 2002 werde "sehr hart", sagte Maiwald dem Handelsblatt. Er spricht von einer Durststrecke, die Seat bewusst in Kauf nehme.

Bernd Pischetsrieder - seit gut einem Jahr Vorstandschef bei der VW-Tochter - hat Seat eine neue Vertriebsstrategie verordnet, um Image und Preise der Spanier zu heben. Produziert wird vorrangig auf Kundenbestellung. Die Händler sollen sich weniger Autos auf den Hof stellen, Tageszulassungen zur Verkaufsförderung sind tabu.

Pischetsrieder will Seat im Konzern als günstigere Alternative zu Audi aufbauen: sportlich, emotionsgeladen, mit anspruchsvollem Design - und auf keinen Fall billig. Vom kommenden Frühjahr an wird er wie berichtet die Entwicklung als VW-Vorstandsvorsitzender weiter verfolgen. Seat steht damit der vierte Führungswechsel innerhalb von fünf Jahren ins Haus.

Bei den Händlern stößt das Vorgehen von Pischetsrieder auf massive Kritik: "Das kann es nicht sein", heißte es bei einem großen Seat-Händler. Pischetsrieder denke wohl noch in den Kategorien seines Ex-Arbeitgebers BMW. Aber Seat-Käufer gingen schnell zur Konkurrenz, wenn beim Händler nicht das passende Auto stehe. Die Preise seien überzogen, "was aus Spanien gefordert wird, lässt sich in Deutschland nicht umsetzen". Seat-Kunden kauften Volumen-Modelle. Aber der lange versprochene Mittelklasse-Kombi sei gestrichen worden, ein Minivan lasse auf sich warten, der Kleinwagen Ibiza sei veraltet. Statt dessen gibt es jetzt die sportliche "Cupra"-Reihe, aber niemand kaufe bei Seat einen Sechszylinder für mehr als 60 000 DM. "Wir haben längst nicht das Image und die Kundschaft dafür", so der Händler.

Seat-Manager Maiwald hält das für vorgeschoben: "Der Handel muss die Werte der Marke transportieren." Preisschleuderei schöne zwar die Verkaufsstatistik - "aber das holt uns ein". Tatsächlich stehen bei den Seat-Händlern heute noch Autos, die ihre Tageszulassung vor einem Jahr bekamen. Seat stecke in einem Umbruch, der noch Jahre dauern werde, sagt Maiwald. Der Marktanteil ist auf weniger als 1,5 % gerutscht. Mittelfristig zielt Maiwald auf die 2- %-Marke.

Die Stimmung der Händler ist noch aus anderen Gründen auf dem Tiefpunkt. Zum einen wurde - wie bei fast allen Herstellern - sämtlichen Händlern gekündigt, um das Netz neu auszurichten und zu verkleinern. Zum anderen verbreiteten Pischetsrieder und VW-Vorstandschef Ferdinand Piëch mit öffentlichen Äußerungen Unruhe: Auch eine Trennung des Konzerns von Seat sei denkbar, verstanden die Händler. Nun haben sie Piëch in einem Brief zur Stellungnahme aufgefordert.

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