Kritik an Verkaufsplänen für Staatsanteil an französischer Großbank
Kampf um Crédit Lyonnais steht vor Entscheidung

Der vom französischen Finanzministerium angepeilte Verkauf des Staatsanteils an Großbank Crédit Lyonnais S.A. (CL) ist bei Aktionären der CL auf heftigen Widerspruch gestoßen. Der Staat will seine Anteile an der 1999 privatisierten Bank an die genossenschaftliche Finanzgruppe Crédit Agricole und die Allianz-Tochter AGF verkaufen.

PARIS. In Paris ist zu erfahren, dass einige der anderen CL-Aktionäre ebenfalls ihren Anteil aus dem Staatspaket aufstocken wollen.

Zu dieser Gruppe wird unter anderem die spanische BBVA gerechnet, der 1999 eine spätere Erhöhung ihres 3,8-%-Anteils in Aussicht gestellt worden war. Der Versicherer Axa missbilligt unterdessen den Machtzuwachs der Allianz-Gruppe im CL-Eignerkreis seit der Privatisierung. Und auch andere Aktionäre erwarten eine Gleichbehandlung mit den beiden öffentlich genannten Kaufinteressenten. Diese wollen sich den 9,6-%-Anteil des Staates im Verhältnis zwei Drittel (Crédit Agricole) zu einem Drittel (AGF) teilen.

Das französische Finanzministerium gerät durch das Bekanntwerden der Verkaufspläne in eine unangenehme Lage. Zumindest die neben Crédit Agricole und AGF zum früheren CL-Kernaktionärskreis gehörenden Eigner haben noch bis zum Sommer 2003 ein Vorkaufsrecht, sobald ein anderer von ihnen CL-Aktien abgibt. Es erscheint Bankkreisen in Paris schwer vorstellbar, dass der Staat, der formell nicht zu den Kernaktionären zählt, selbst diese Klausel ignorieren könnte.

Wenn Finanzminister Laurent Fabius das Paket unter mehreren Interessenten aufteilen müsste, geriete das von Premierminister Lionel Jospin zur Bedingung der gesamten Privatisierungspolitik gemachte Prinzip ins Wanken. Danach muss mit dem Verkauf ein "industrielles Projekt" für CL verbunden sein. Die Regierungsmehrheit wünscht weiter die von Fabius' Vorgänger Dominique Strauss-Kahn propagierte Anbindung der CL an Crédit Agricole.

Doch dagegen wehrt sich CL- Chef Jean Peyrelevade. Er hat den Einstieg der Société Générale 1999 mit 4 % und die durch den Erwerb der Dresdner-Bank-Anteile gestärkte Position der Allianztochter AGF bisher genutzt, seine Unabhängigkeit zu wahren. Dies bringt ihn jetzt aber in eine schwierige Lage zwischen der Regierung und der Pariser Finanzwelt.

Für Mitte nächster Woche hat Finanzminister Fabius nach Angaben der Zeitung "Le Figaro" den CL-Chef, der als Parteigänger der Regierung gilt, ins das Ministerium im Bercy einbestellt. Möglicherweise wird er Peyrelevade dann vor vollendete Tatsachen stellen. Denn Crédit Agricole hat ein großes Interesse daran, vor dem baldigen Beginn der Informationskampagne zu ihrem für Mitte Dezember geplanten - wenngleich noch nicht gesicherten - Börsengang ihre Position bei CL festzuzurren. Erhält Crédit Agricole bis Ende nächster Woche keine Klarheit, wäre Peyrelevade ein Aufschub von einigen Monaten beschieden.

Doch Beobachter schließen nicht aus, dass die Regierung dann einen feindlichen Übernahmeversuch der Agrarbanker nicht mehr verhindern würde. Der wäre Crédit Agricole nach der Ausgabe eigener Aktien leichter möglich: Die Finanzgruppe hält für die CL-Anteile des Staates eine fast 1,7 Mrd. Euro schwere Barposition bereit, die Fabius für seinen Haushalt dringend braucht.

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