Kritik an zahleichen Dax-Unternehmen
Schutzgemeinschaft greift erneut MLP an

Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) greift erneut den Finanzdienstleister MLP an und wirft ihm vor, in seinen Geschäftsberichten die eigene wirtschaftliche Situation zu beschönigen. Sie wiederholt dabei den Vorwurf, den auch ein Anlegermagazin erhoben hatte, MLP blähe durch Rückversicherungsgeschäfte künstlich den ausgewiesenen Gewinn auf.

fw DÜSSELDORF. In einer neuen Dokumentation, die nur SdK-Mitgliedern auf der Homepage zur Verfügung steht, setzt sich der Aktionärsvereinigung auch mit einem Gutachten der Wirtschaftprüfungsgesellschaft Ernst & Young auseinander, das MLP in Auftrag gegeben hatte. Kern der Vorwürfe: Die Experten hätten nur die ordnungsgemäße Verbuchung der Rückversicherungsgeschäfte in den Einzelabschlüssen bestätigt. Dieser Punkt sei aber gar nicht umstritten. "Nicht geprüft wurde hingegen, ob auch die Darstellung im den Anlegern zugänglichen Konzernabschluss richtig ist und ob die Geschäfte wirtschaftlich vernünftig und in dieser Größenordung branchenüblich sind", schreibt die SdK. Sie geht davon aus, wie SdK-Sprecher Markus Straub erläuterte, dass MLP weitaus mehr Rückversicherungsgeschäft abschließt, als in der Branche üblich ist. Der Effekt ist, dass die ausgewiesenen Gewinne der Gegenwart höher und in der Zukunft niedriger ausfallen also ohne derartige Geschäfte.

Tatsächlich geht das Gutachten, das auf der Homepage von MLP veröffentlicht wurde, auch auf die betriebswirtschaftliche Fragen und nicht nur auf die Verbuchung ein. Dabei kommen die Prüfer zu dem Ergebnis, die "wirtschaftliche versicherungstechnische Wertschöpfung" habe den ausgewiesenen Jahresüberschuss einschließlich der darin enthaltenen Erträgen aus Rückversicherungsgeschäften "deutlich" übertroffen. Als "Wertschöpfung" gilt dabei die Zunahme des Versicherungsbestands an "embedded Value", also an wirtschaftlichem Wert, wie er sich aus den Konditionen und durchschnittlich zu erwartenden Laufzeiten der Verträge prognostizieren lässt. Insgesamt kommt das Gutachten daher zu dem Schluss, betriebswirtschaftlich seien die Rückversicherungsgeschäfte nicht zu beanstanden.

Die SdK hat gestern auch ihren Rechenschaftsbericht vorgelegt. Dabei kritisiert sie unter anderem, bei mehr als der Hälfte der Dax-30-Unternehmen und rund zwei Dritteln der Gesellschaften im Dax 100 hätten die Wirtschaftsprüfer zusätzlich Beratungsmandate erhalten, was ihre Unabhängigkeit einschänke. Bei jedem dritten Dax-30-Unternehmen erreiche der Honoranteil, der auf die Beratung entfällt, 50 % oder mehr des gesamten Volumens, das die jeweilige Prüfungsgesellschaft bekomme. Diese Daten ergeben sich unter anderem aus den Nachfragen der SdK bei Hauptversammlungen.

Mehr als 60 Unternehmen hätten bereits ein "Squeeze-out" - das nach einem neuen Gesetz mögliche Herausdrängen von Kleinaktionären - praktiziert oder angekündigt, schreibt die SdK. Kritisch sehen die Aktionärsschützer dabei unter anderem die Fälle Dresdner Bank und die Aachener und Münchener (AM) Leben, AM-Versicherung sowie Volksfürsorge wegen der nach ihrer Meinung nicht ausreichenden Abfindungsangebote.

Die SdK hat in der Hauptversammlungssaison nach eigener Aussage insgesamt rund 40 Gegenanträge gestellt und in mehr als 70 Fällen anders abgestimmt, als von den Unternehmen selbst vorgeschlagen wurde.

Quelle: Handelsblatt

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