Kritik aus den USA
Fernsehsender El Daschira hat sich Namen gemacht

Der Fernsehsender El Dschasira hat sich in der arabischen Welt mit seiner unabhängigen Berichterstattung einen Namen gemacht. Bei dem Sender aus dem Golfemirat Katar kommen auch Oppositionsgruppen und Parteien zu Wort, die in anderen Medien im Nahen Osten keine Chance haben.

ap DOHA. Nun, da der mutmaßliche Terroristenführer Osama bin Laden und dessen Netzwerk El Kaida im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit stehen, wird auch der Westen auf den Sender aufmerksam.

Noch am Abend der ersten Angriffe auf Ziele in Afghanistan strahlte El Dschasira am Sonntag eine offenbar vorbereitete Erklärung Bin Ladens aus, in der dieser die Militäroperation als einen "Krieg gegen den Islam" bezeichnete. Am Dienstagabend lobte der Sprecher von El Kaida, Sulaiman Abu Ghaith, in einem Video die Terroranschläge vom September in den USA. Die Attentäter hätten etwas Gutes getan und den Kampf ins Herz Amerikas getragen.

Zugleich ist El Dschasira mittlerweile der einzige Fernsehsender, der noch Bilder aus Kabul und anderen Gebieten Afghanistans ausstrahlt, die unter Kontrolle der Taliban sind. Doch auch die andere Seite kommt zu Wort: Am Dienstag sendete die Station ein Interview mit dem britischen Premierminister Tony Blair, in dem dieser zu Bin Ladens Äußerungen vom Sonntag Stellung nahm.

"El Dschasira versucht, den arabischen Zuschauern die aktuellen Entwicklungen in professioneller Weise nahe zu bringen und die unterschiedlichsten Meinungen und Analysen zu bieten. Deshalb ist der Sender erfolgreich", sagt Abdulchalek Abdulla, ein Politologe an der Emirate-Universität in den Vereinigten Arabischen Emiraten. "Bin Laden weiß, dass El Dschasira ein breites Publikum erreicht, und dass El Dschasira regierungsunabhängig arbeitet."

Bin Laden gibt dem Sender regelmäßig Interviews und übermittelt Videos, wenn er der Außenwelt etwas mitteilen will. Laut Abdullah el Hadsch, dem Assistenten des Geschäftsleiters von El Dschasira, genießt der Sender eine bei arabischen Satellitenkanälen unübliche Freiheit. Bin Laden sei daher sicher, dass möglicherweise umstrittene Passagen seiner Reden nicht gekürzt würden. Wie die Videos von den Lagern der El Kaida in Afghanistan, wo sich Bin Laden versteckt hält, zu dem Sender gelangen, wollte el Hadsch nicht sagen. Der Korrespondent des Senders in Kabul sagte am Montag im US-Sender CNN, das jüngste Video Bin Ladens sei von einem Mann in einem Auto vorbeigebracht worden. Er habe es kurz angesehen und in die Zentrale nach Doha gesandt, von wo es sofort ausgestrahlt worden sei.

Zuschauer von anderen Sender abgeworben

El Dschasira nahm seine Sendungen im November 1996 auf und warb erfolgreich Zuschauer von anderen arabischen Sendern sowie von CNN und BBC ab. Der Sender nutzte den Umstand, dass Emir Scheich Hamad bin Chalifa el Thani die Pressegesetze nach dem Sturz seines Vaters 1995 lockerte. Ein Pluspunkt in den Augen vieler Zuschauer sind die arabischen Inhalte und die Tatsache, dass das Programm in arabischer Sprache ausgestrahlt wird.

Auf Vorwürfe, dem mutmaßlichen Terroristenführer eine Plattform für die Verbreitung seiner Ansichten zu liefern, erwidert der Sender, schließlich sei Bin Laden eine der Konfliktparteien. Scheich el Thani bestätigte in der vergangenen Woche, dass die USA in Katar Bedenken gegen El Dschasira angemeldet hätten. Doch der Emir ließ wissen, dass sich sein Land auf dem Weg in die Demokratie befinde. Und die sehe nun einmal Pressefreiheit und glaubwürdige Medien vor.

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