Kritik der Düsseldorfer Umweltministerin
Höhn rät vom Rindfleischkonsum ab

ap KÖLN/MÜNCHEN. Die nordrhein-westfälische Umweltministerin Bärbel Höhn hat Verbraucher darauf hingewiesen, dass der Rindfleischkonsum trotz aller Vorsichtsmaßnahmen derzeit Risiken berge. "Wer ganz sicher gehen will, sollte momentan kein Rindfleisch essen", sagte die Grünen-Politikerin der Kölner Zeitung "Express" (Dienstagausgabe). "Qualitäts- oder Biofleisch bietet zusammen mit einem BSE-Test die zur Zeit größtmögliche Sicherheit. Eine 100-prozentige Garantie ist aber auch das nicht", betonte Höhn. Ein generelles Verkaufsverbot für Rindfleisch lehne sie aber ab.

Die Ministerin kritisierte die mangelnde Transparenz bei der Zusammensetzung des Tierfutters. "Es ist nicht ausreichend zu sagen, gehen Sie zum Metzger Ihres Vertrauens, und alles ist gut. Denn weder der Metzger noch der Landwirt wissen doch heutzutage noch, was genau die Rinder im Tierfutter zu fressen bekommen. Bei der Futtermittelzusammensetzung brauchen wir endlich Offenheit und Transparenz."

Weitere BSE-Fälle erwartet

Die Grünen-Politikerin rechnet nach den BSE-Fällen in Schleswig-Holstein und in Bayern mit weiteren auch in anderen Bundesländern. "Jedes Bundesland muss damit rechnen, dass bei ihm auch BSE-Fälle entdeckt werden. Damit ist schon wegen der verstärkten Zahl von BSE-Tests zu rechnen. Ohne diese Tests wären ja auch die Rinder in Bayern unentdeckt auf den Tellern der Verbraucher gelandet."

Der Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses im Bundestag, Peter Carstensen, sprach sich gegen ein Verbot deutscher Wurstprodukte aus. "Ich lege überhaupt keine Hand mehr ins Feuer. Das ist im Moment sicher nicht richtig, mit dieser Aussage nach draußen zu gehen", sagte der CDU-Politiker im Deutschlandradio Berlin. Er wisse aber, dass bei den Schlachtern, die er kenne und mit denen er gesprochen habe, Risikomaterialien nicht verarbeitet würden.

Ausgleich für Landwirte gefordert

Zugleich forderte Carstensen von der Bundesregierung wegen der drohenden Pleiten einen Ausgleich für die betroffenen Landwirte. "Ich finde es einen Skandal, dass die Bundesregierung sich mit den Ländern noch nicht über ein Finanzierung dieser Krise im Klaren ist." Es werde nur über die Schnelltests und die Kosten der Entsorgung von Tiermehl gesprochen, nicht aber über die Situation der Bauern. Zugleich verlangte er eine gründliche Ursachenforschung.

Die agrar- und verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Ulrike Höfken, räumte ein, dass der Verbraucherschutz von der Politik vernachlässigt worden sei. "Das erfahren wir jetzt äußerst schmerzhaft erfahren", sagte Höfken der Münchner "Abendzeitung" (Dienstagausgabe). Sie forderte deshalb, die Schaffung eines Ministeriums, das explizit den Namen Verbraucherschutz trägt und eindeutige Kompetenzen hat. Sie könne sich ein Ministerium für Gesundheit und Verbraucherschutz vorstellen.



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