Kritik der Kirche
Experten bezweifeln Glaubwürdigkeit Antinoris

Mediziner, Ethiker und Kirchenvertreter haben mit Skepsis und Kritik auf die Ankündigung eines Klonkindes durch den italienischen Mediziner Severino Antinori reagiert. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Prof. Klaus Diedrich, äußerte erhebliche Zweifel an den Aussagen Antinoris.

HB/dpa HAMBURG/ROM. "Ich bin skeptisch, ob seine Ankündigung wirklich stimmt", sagte Diedrich am Mittwoch. Er forderte ein internationales Verbot des Klonens zu Fortpflanzungszwecken. Die Deutsche Bischofskonferenz kritisierte, Antinori bahne den Weg zur industriellen Produktion von Menschen.

Der Vorsitzende der bundesweiten Arbeitsgemeinschaft Reproduktionsbiologie des Menschen, Markus Montag, sagte, innerhalb der internationalen Forschergemeinschaft werde die Glaubwürdigkeit des umstrittenen Arztes angezweifelt. Antinori hatte am Dienstag die Geburt eines geklonten Jungen für Anfang Januar angekündigt.

Nach Ansicht der Bischofskonferenz ist das Klonen von Menschen "ein auf das Schärfste zu verurteilender Verstoß gegen die Würde des Menschen". Der katholische Limburger Bischof Franz Kamphaus schrieb in einem grundsätzlichen Artikel zu diesem Thema in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Mittwochausgabe): "Genforschung und Gentechnik können außerordentlich segensreich wirken, sie können auch zum Fluch werden. Das geschieht, wenn sie offen oder insgeheim der Versuchung nachgeben, einen Neuen Menschen produzieren zu wollen."

Der Tübinger Moraltheologe Prof. Dietmar Mieth nannte Antinoris Vorgehen verwerflich. "Die damit verbundene Selektion unter mehreren Embryonen öffnet Tür und Tor für eine Menschenzüchtung." Sein Mainzer Kollege Johannes Reiter sagte, zur Idee des Menschen gehöre es, nicht das Produkt des Menschen zu sein, sondern das des "Zufalls der Natur".

Der Bonner Reproduktionsbiologe Montag sagte: "Weltweit wird davon ausgegangen, dass Herrn Antinori die grundlegende wissenschaftliche Kompetenz abgesprochen werden muss." Wenn der Italiener tatsächlich einen Menschen geklont habe, müsse davon ausgegangen werden, dass dabei tausende Eizellen von hunderten Frauen verbraucht wurden. "Es ist kaum möglich, dass er so etwas klammheimlich machen kann."

Montag wies auf die zahlreichen bekannten Probleme beim Klonen von Tieren hin. Dazu zählen Schäden oder Veränderungen an der Erbsubstanz DNA und das vorzeitige Altern. Auch zahlreiche Versuche bei Tieren in den vergangenen Jahren hätten nichts daran geändert, dass die Effizienz solcher Verfahren sehr gering sei. "Dies wäre auch beim Menschen zu erwarten."

Um alle Einzelheiten des Klonversuches zu überprüfen, müsse die Erbsubstanz von vier Menschen vorliegen: die des angeblichen Klonbabys, die der Spenderin der Eizelle, die des genetischen Vaters und jener der Frau, die das Kind ausgetragen habe. "Nur der Vergleich aller dieser genetischen Fingerabdrücke kann zeigen, ob das, was Antinori sagt, auch stimmt." Dieser Nachweis müsse von mehreren unabhängigen humanmedizinischen Instituten erbracht werden.

Gynäkologen-Präsident Diedrich sagte, wenn Antinoris Angaben stimmen sollten, "weiß er nicht, was er tut". Der Direktor der Lübecker Universitätsfrauenklinik betonte: "Man kann nicht einfach einen Menschen schaffen, bei dem man nicht weiß, was mit ihm passiert." Es könne zahlreiche medizinische Komplikationen geben. "Ich bin froh, dass wir in Deutschland ein - manchmal etwas strenges - Embryonenschutzgesetz haben, das solche Versuche verbietet." Diedrich distanzierte sich im Namen seiner Fachgesellschaft von Antinoris Klon-Absichten.

Eine deutsch-französische Initiative zum weltweiten Verbot des Klonens von Menschen zu Fortpflanzungszwecken war bei den Vereinten Nationen kürzlich wegen des Einspruchs der USA und streng katholischer Länder wie Spanien und den Philippinen zunächst auf Eis gelegt worden. Die Länder wollen neben diesem reproduktiven Klonen auch das therapeutische Klonen zu medizinischen Zwecken weltweit verbieten. Der zuständige UN-Ausschuss hatte die Verhandlungen daraufhin auf September 2003 vertagt. Das EU-Parlament sprach sich vor wenigen Tagen für ein umfassendes Verbot des Klonens von Menschen auf UN-Ebene aus.

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