Kritik nach Kameruns WM-K.o.
Winfried Schäfers Traum geplatzt

Im Stadion "Ecopa" von Shizuoka platzte der große Traum von Kameruns deutschem Trainer Winfried Schäfer von einem historischen Sieg über Deutschland wie eine Seifenblase. Durch die 0:2-Niederlage blieb "Afrikas Mannschaft des Jahrhunderts" bei ihrer fünften WM-Teilnahme bereits zum vierten Mal in der Vorrunde auf der Strecke.

SHIZUOKA. Heimflug nach Yaounde statt des ersehnten Länderwechsels nach Südkorea zum Achtelfinale stand für Mittwoch auf dem Programm der "unzähmbar" genannten, aber diesmal zahnlosen "Löwen". Die Hoffnung, nach dem Olympiasieg von Sydney 2000 und dem Gewinn des Afrika-Cups einen weiteren Meilenstein zu setzen, wurde durch Klose & Co. zerstört.

"Es tut mir sehr Leid für meine Jungs, die vier Jahre lang für diese WM gearbeitet haben, auf den letzten Drücker angereist waren und jetzt tieftraurig wieder nach Hause müssen. Vor allem zu Hause in Kamerun sind sie jetzt alle tief enttäuscht, denn sie leben mit dem Fußball", sagte Schäfer, der sich nach dem WM-K.o. als fairer Verlierer präsentierte. Nach dem deutschen Teamchef Rudi Völler und Bundestrainer Michael Skibbe gratulierte der 52-Jährige fast jedem deutschen Spieler. Besonders innig drückte er den deutschen Kapitän Oliver Kahn an seine Brust. Den deutschen Keeper hatte Schäfer einst in seiner erfolgreichen Bundesliga-Zeit beim Karlsruher SC groß gemacht.

"Der Oliver war das größte Problem für uns. Er vereitelte unsere größte Chance in der ersten Halbzeit durch Olembe", meinte Schäfer, der den Platzverweis für Carsten Ramelow nach dessen Foul an Samuel Eto'o als "Knackpunkt des Spiels" und eher als Nachteil bezeichnete. Schäfer: "Mir wäre es lieber gewesen, Eto'o hätte das Tor gemacht und Ramelow wäre auf dem Platz geblieben." Der Kamerun-Coach zitierte die alte Erfahrung, dass "man mit zehn Mann oft über sich hinaus wächst". Das sei "alles eine Sache des Kopfes", meinte Schäfer.

Für Rudi Völlers Lob, dass "Kamerun in der ersten Halbzeit die bessere Mannschaft war und uns einigermaßen in Verlegenheit gebracht hat", konnte sich Kameruns "Weltcup-Winnie" nichts kaufen. Hinter der verschlossenen Kabinentür in den Stadionkatakomben dankte Schäfer allen an dem WM-Unternehmen Beteiligten und bemühte sich mit aufmunternden Worten, bereits an die Zukunft zu denken. Schäfer: "Man muss wieder aufstehen und den Kopf hoch nehmen. Denn nur wer im Wasser bleibt, ertrinkt."

Seine eigene Zukunft als Nationaltrainer machte der ehemalige Bundesligacoach, der sein Amt erst am 15. September 2001 angetreten hatte, von gewissen Voraussetzungen abhängig und kritisierte den Verband: "Kamerun hat eine große Mannschaft. Wenn sie aber den ganz großen Coup landen soll, muss sich organisatorisch einiges gravierend ändern." Als Ursache für die kraftlosen Auftritte des Afrikameisters entlarvte Schäfer, der geholt wurde, um deutsche Disziplin zu predigen, die chaotische, 44-stündige Anreise. Schäfer: "Wenn wir nicht vier Tage in Paris hängen geblieben wären, hätten wir eine bessere Vorbereitung gehabt, hätten Irland geschlagen und wären durch gewesen."

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