Kritik vom Ministerium
Luft für Cargolifter wird immer dünner

Auch nach der vorzeitigen Absage finanzieller Hilfen durch das Land Brandenburg sieht die angeschlagene Cargolifter AG Chancen für das Luftschiff-Projekt.

Reuters BERLIN. Es gebe weiterhin sehr intensive Gespräche mit Bund und Land, um sicherzustellen, dass Cargolifter sein Projekt umsetzen könne, sagte Firmenchef Carl von Gablenz am Mittwoch im ZDF. Die Verhandlungen seien schwierig. "Aber ich glaube, das ist wichtig und allen klar, dass wir das (Projekt) durchziehen müssen." Von Gablenz wiederholte seine Forderung, die öffentliche Hand sei nun bei der Frage nach der Finanzierung gefragt. Das Land Brandenburg hatte am Dienstag jedoch beschlossen, dass es für finanzielle Hilfe derzeit keine Möglichkeit sehe.

Das Bundeswirtschaftsministerium wollte zunächst keine Stellung nehmen zu einem Presse-Bericht, demzufolge ein Ministeriumsgutachten die Cargolifter-Strategie kritisiert. Eine Firmen-Sprecherin bekräftigte, dass das Unternehmen diese Woche definitiv keine Insolvenz anmelden werde.

Spitzentreffen hat kein Ergebnis gebracht

Bund und Land hatten zuletzt wiederholt als Bedingung für Finanzhilfen ein tragfähiges Gesamtkonzept von Cargolifter gefordert. Auch ein Spitzentreffen von Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) und Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) hatte am Dienstag kein Ergebnis gebracht. Cargolifter steht eine Bundesbürgschaft von rund 36 Millionen Euro zur Verfügung. Diese hat der Luftschiffbauer jedoch noch nicht abgerufen, da er Schwierigkeit hat, eine Bank zur Mitfinanzierung zu finden.

Von Gablenz: Technische Machbarkeit des Projektes bewiesen

Zu Kritik an der technischen Machbarkeit sagte von Gablenz, man habe mit dem Luftschiff CL 75 bewiesen, dass das Lastabsetzverfahren funktioniere. Die Frage nach der Machbarkeit bezeichnete der Firmenchef als Pauschalargument. Sie sei mehr die "Ausrede vor der typischen deutschen Schwäche, sich mal zu entscheiden und Dinge durchzuziehen." Zur Frage der Finanzierung sagte von Gablenz, die öffentliche Hand sei hier gefragt und nicht nur im Interesse der Sicherung der rund 500 Arbeitsplätze, sondern auch, um etwas zur Umsetzung einer Zukunftstechnologie zu tun.

Bericht: Ministerium kritisiert Cargolifter

Einem Vorabbericht der "Wirtschaftswoche" zufolge wird in einem internen Gutachten des Bundeswirtschaftsministeriums Cargolifter eine "falsche Entwicklungsstrategie" vorgeworfen. Demnach könne das Unternehmen in seiner jetzigen Form die Probleme nicht meistern, hieß weiter. Dieses Gutachten werde jedoch im Bundesverkehrsministerium als "absurd" bezeichnet.

Sprecherin: Lage ist angespannt

Cargolifter drängt auf eine Finanzhilfe in Höhe von 50 Millionen Euro. Man brauche ein Signal der öffentlichen Hand, eher in Tagen als in Wochen, hatte Finanzvorstand Karl Bangert jüngst gesagt. Eine Firmensprecherin bezeichnete die Lage am Mittwoch als angespannt. Sie wollte keine Aussage dazu machen, wie lange die Liquidität noch reichen werde.

Cargolifter will einen Zeppelin bauen, der 160 Tonnen schwere Lasten tragen und zielgenau absetzen kann. Bis zur Serienreife des Luftschiffs braucht das Unternehmen nach eigenen Angaben jedoch noch rund 420 Millionen Euro. Die geplante Ausgabe einer Wandelanleihe hatte jüngst zudem nicht die von Cargolifter erwartete Resonanz gefunden.

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