Kritik von Nowitzkis Mentor an Trainer-Trio
Fehlende Konstanz bei Nowitzki & Co. gibt Rätsel auf

Die deutschen Basketballer sind als Mitfavorit in das EM-Turnier gestartet - jetzt droht ihnen schon nach der Vorrunde das Aus. Bei der Ursachenforschung ist Eile geboten. Denn nach der "Klatsche" gegen Litauen geht es gegen Italien um alles oder nichts.

HB NORRKÖPING. Der Ratlosigkeit der Riesen nach der 71:93- Schlappe gegen Litauen folgte moralische Aufbauarbeit. "Wir hatten alle Hände voll zu tun, um die Jungs wieder aufzurichten", sagte der Präsident des Deutschen Basketball-Bundes (DBB), Roland Geggus, nach schlafloser Nacht vor dem über den Einzug ins Viertelfinale der 33. Europameisterschaft entscheidenden Qualifikationsspiel gegen Italien.

Der Haussegen hing schief, Schuldzuweisungen wurden jedoch unter der Decke gehalten. Geggus: "Wir haben ganz schlecht gespielt, während die Litauer auf ihrem höchsten Level agierten. Es gibt nun mal solche Spiele. Wir haben in der Vorbereitung acht von zehn Spielen gewonnen und in der Qualifikation neun von zehn. So schlecht können wir also nicht sein." Die mangelnde Konstanz der deutschen Korbjäger um den NBA-Star Dirk Nowitzki ist allen ein Rätsel. "Wir haben bisher unser Potenzial noch nicht ein Mal voll ausgeschöpft", sagte der 25-jährige Schlüsselspieler von den Dallas Mavericks.

Konkret wurde Nowitzkis Entdecker und Mentor Holger Geschwindner, der seinem frustrierten Schützling telefonischen Beistand leistete, sich aus der Ferne aber auch kritisch zu Wort meldete. "Ich bin zwar nicht so nah dran, aber im Fernsehen konnte man sehen, dass einiges nicht stimmte," meinte der Kapitän des deutschen Olympia-Teams von 1972. Der 58-Jährige sieht seinen Musterschüler in der taktischen Formation "falsch positioniert".

"Dirks Leistung stimmt im Großen und Ganzen. Gegen Litauen bekam er einfach zu wenig brauchbare Bälle. Sie ließen ihn förmlich verhungern. Das ist weniger ein Vorwurf an die Mitspieler. Fakt ist, dass von außen keine Hilfe kommt", kritisierte Geschwinder. Gemeint ist das Trio mit Bundestrainer Henrik Dettmann und seinen Assistenten Rolando Blackman (Dallas Mavericks) und Armin Andres (Brandt Hagen).

Geschwindners nicht neue Kritik an dem feinfühligen, aber in seinen Augen wenig entscheidungsfreudigen Finnen deckt sich offenbar mit der Stimmungslage der Funktionäre, die zunehmend auf Distanz zu dem 45-Jährigen gehen. Dettmanns tolerante Art, seinen Spielern Freiheiten und Verantwortung weitgehend zu überlassen, schmeckt nicht jedem und könnte seine Autorität untergraben.

Dettmann, mit Rang vier bei der EM 2001 und dem Gewinn der Bronzemedaille bei der WM 2002 erfolgreichster Bundestrainer nach dem EM-Macher von 1993, Svetislav Pesic, wird an diesen Erfolgen gemessen. Seine Spieler erhöhten mit vollmundigen Prognosen (Marko Pesic: "Ich will Europameister werden") den Erwartungsdruck. Über seine Zukunft wurden schon vor der EM Planspiele erörtert. "Wir haben alle Eventualitäten durchgespielt", sagt Geggus. Scheitert das DBB- Team vorzeitig bei der EM und platzt Nowitzkis Olympia-Traum, dann ist die sechsjährige Ära Dettmanns als hauptamtlicher Bundestrainer beendet. Andernfalls dürfte er bis Athen 2004 weitermachen.

Um bei den Olympischen Spielen sicher dabei zu sein, muss das DBB- Team in Schweden mindestens unter die ersten Drei kommen. Platz fünf würde allerdings reichen, wenn die gesetzten Griechen und Weltmeister Serbien und Montenegro unter den Top-Fünf der EM landen.

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