Kritiker Beckenbauer leistet Abbitte
Der Kaiser geht nach Canossa

Rechtzeitig vor dem WM-Finale am Sonntag in Yokohama hängt Franz Beckenbauer seine Fahne in den Wind. "Sie steht verdient im Endspiel", bescheinigte er der deutschen Elf bei einer Pressekonferenz in Yokohama. Nach dem glücklichen Viertelfinal-Sieg über die USA hatte der "Kaiser" die Leistung der Deutschen noch heftig kritisiert.

dpa YOKOHAMA. Noch vor einer Woche machte er mit einem verbalen Rundumschlag von sich reden, nun leistete der "Kaiser" Abbitte. Nach der heftigen Kritik an der Leistung der DFB-Elf beim glücklichen Viertelfinal-Sieg über die USA schlug Franz Beckenbauer wieder versöhnliche Töne an. Vor der Weltpresse in Yokohama verblüffte die Lichtgestalt des deutschen Fußballs am Donnerstag einmal mehr mit einem plötzlichen Sinneswandel: "Die Mannschaft ist in einer guten Verfassung, hat fünf von sechs Spielen gewonnen und nur ein Gegentor kassiert. Sie steht verdient im Endspiel."

Kein Wort der Kritik kam Beckenbauer im Beisein der nicht minder prominenten ehemaligen Weltmeister-Trainer Carlos Alberto Parreira (Brasilien) und Aimé Jacquet (Frankreich) über die Lippen. Bei der Vorstellung der zehn Kandidaten für die diesjährige Golden Ball- Trophäe, die dem besten Spieler des Turniers überreicht wird, trat er ganz staatsmännisch als Botschafter des deutschen Fußballs auf. "Bis auf die Partie gegen die USA hat die Mannschaft überzeugt", lobte er voller Vorfreude auf den Showdown am Sonntag in Yokohama (13.00 Uhr MESZ): "Das wichtigste ist nun, dass beide Teams der Welt zeigen, wie wunderschön Fußball ist."

Drei Tage vor der endgültigen Entscheidung einer Experten-Jury, wer zum Superstar der WM 2002 erklärt wird, machte er sich zudem für einen deutschen Spieler stark. Neben Paolo Rossi (Italien), Diego Maradona (Argentinien), Toto Schillaci (Italien), Romario und Ronaldo (beide Brasilien) solle nun der Name von Torhüter Oliver Kahn die Golden-Ball-Trophäe zieren. "Natürlich sind Roberto Carlos oder Ronaldo tolle Fußballer, aber der spektakulärste Spieler bei diesem Turnier war für mich Oliver Kahn", sagte Beckenbauer, "er hätte diesen Preis deshalb am meisten verdient."

Als mögliche Konkurrenten von Kahn wurden Roberto Carlos, Rivaldo, Ronaldo, Ronaldinho (alle Brasilen), El Hadji Diouf (Senegal), Fernando Hierro (Spanien), Myong Bo Hong (Südkorea), Hasan Sas (Türkei) und Michael Ballack nominiert. Diese Vorauswahl erfüllte vor allem den ehemaligen brasilianischen Nationalcoach Parreira mit Stolz: "In keiner anderen Mannschaft gibt es so viele außergewöhnliche Spieler. Das beweist, wie stark wir sind."

Dennoch räumt Beckenbauer der als Außenseiter gehandelten DFB-Elf am Sonntag gute Chancen ein. "Im Halbfinale konnte man in den letzten 20 Minuten erkennen, dass die Brasilianer konditionelle Probleme haben. Die Türken haben nur vergessen, auf das Tor zu schießen", sagte er voller Hoffnung auf ein ähnliches Happy End wie 1990, als er das deutsche Team mit einem Sieg über Argentinien zum WM-Titel geführt hatte.

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