Kritiker befürchten Technisierung in der Altenpflege
Roboter soll Senioren unabhängiger machen

Deutschland altert. Laut Statistik wird bereits im Jahr 2010 rund ein Viertel der Bevölkerung 60 Jahre und älter sein. Damit steigt auch die Zahl der pflegebedürftigen Senioren, doch immer weniger Menschen wollen in Sozialberufen arbeiten.

dpa STUTTGART. Roboter sollen nun teilweise Abhilfe schaffen. Der so genannte Care-o-Bot könnte alte Menschen künftig im Haushalt unterstützen und ihnen ermöglichen, länger selbstständig in den eigenen vier Wänden zu wohnen. Ein Prototyp des Roboters wird auf der dreitägigen Messe "Alter & Pflege" in Stuttgart vorgestellt, die am Dienstag beginnt.

Care-o-Bot soll seinem Besitzer zum Beispiel auf Wunsch Getränke ans Bett liefern, ein Essen in der Mikrowelle erhitzen oder als Stütze und Gehhilfe in der Wohnung dienen. Außerdem soll sich das Gerät in bestimmten Abständen nach dem Wohlbefinden seiner Benutzer erkundigen. Bleibt eine Antwort aus, alarmiert der metallische "Butler" automatisch Nachbarn oder einen Arzt.

Kritiker befürchten Technisierung in der Altenpflege

Kritiker fürchten jedoch eine Technisierung der Altenpflege. "Es ist für mich eine Horrorvorstellung, dass unsere älteren Menschen sich mit Robotern beschäftigen und kommunizieren sollen", sagt etwa Baden-Württembergs Sozialminister Friedhelm Repnik (CDU). Die Roboter sollten keineswegs Altenpfleger ersetzen, hält der Sprecher von "Dienste für Menschen" entgegen. Die Unternehmensgruppe, der elf Altenpflegeeinrichtungen angehören, hatte die Entwicklung eines Pflegeroboters vor rund fünf Jahren angeregt. "Pflege erfordert menschliche Nähe, die kann man nicht ersetzen", betont Junker. Doch der Roboter mache Senioren unabhängiger, auch in Zeiten, in denen kein Pflegedienst in der Wohnung anwesend sei, sagt Junker.

"Es ist ein Grundwunsch vieler Menschen, auch im Alter allein leben zu können", sagt Christoph Schaeffer, der als Projektleiter am Stuttgarter Fraunhofer für Produktionstechnik und Automatisierung-Institut (IPA) für die Entwicklung des Roboters verantwortlich ist. Eine aktuelle Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach hatte ergeben, dass künftig noch mehr pflegebedürftige Senioren zu Hause bleiben wollen.

Das IPA wolle die technischen Hilfsmittel bieten, um diesem Bedürfnis so weit wie möglich gerecht zu werden, erläutert Schaeffer. So sei auch denkbar, dass der Roboter kontrolliert, welche Vorräte noch im Kühlschrank sind und was eingekauft werden muss, auf Kommando Jalousien und Türen schließt oder die Heizung reguliert.

Bedienung soll einfach sein

Seine Befehle erhält der graue Gehilfe entweder durch Berührung entsprechender Symbole auf einem Bildschirm oder per Fernbedienung. Auch über Sprachkommandos kann Care-o-Bot gesteuert werden, wenn er auf den jeweiligen Benutzer eingestellt wird. "Die Bedienung soll nicht nur für EDV-Cracks möglich sein", erläutert Junker.

"Ob ein solcher Roboter in Serie geht ist auch eine große Frage der Akzeptanz", gibt die IPA-Informatikerin Birgit Graf zu Bedenken. Schaeffer schätzt, dass der Pflegeroboter frühestens in fünf Jahren auf dem Markt sein wird. Kosten werde er dann voraussichtlich rund 20 000 DM (etwa 10 000 ?). Nach Ansicht von Junker stehen die Chancen für eine Markteinführung nicht schlecht: "Alte Menschen sind keineswegs so technikfeindlich wie man meint." So gebe es schon heute in vielen Altenheimen von "Dienste für Menschen" Internet-Cafes, die von rund 20 % der Bewohner benutzt würden.

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