Kritiker bemängeln mangelnde Transparenz
Anleger sollten den Berater prüfen

"Als ich noch Spezialfondsmanager war, wollten wir einmal Rohstoffaktien dem Depot eines institutionellen Kunden beimischen. Weil aber niemand bei uns die Expertise zu Rohstofftiteln hatte, schlug ich vor, doch einfach einen Rohstoffpublikumsfonds zu nehmen, um so das exteren Know-how zu nutzen. Dieser Vorschlägt hätte mich damals fast meinen Job gekostet", erzählt Joachim Meyer, heute Vorstand der Fonds Research AG. -Consult

DÜSSELDORF. Die Zeiten ändern sich: Heute greifen große wie kleine Fondsanbieter gerne auf das Fachwissen von anderen Vermögensverwaltern und spezialisierten Beratungsunternehmen zurück. Dieser Trend wird sich verstärken: Denn die rechtlichen Rahmenbedingungen erlauben künftig, dass Fonds komplett extern gemanagt werden dürfen. Bislang durften sich die Hausmanager einer Kapitalanlagegesellschaft (KAG) nur beraten lassen.

Für Anleger bedeuet dies: Sie sollten nicht nur auf den guten Namen ihres Fondsanbieters schauen, sondern auch den Berater unter die Lupe nehmen. "Mit der Vergabe eines Beratungsmandates ist es nicht getan", warnt Fondsexperte Meyer, "Anleger sollten den Erfolg des Fonds-Beraters prüfen".

Wichtig hierbei: Bekommt ein erfolgreicher Berater auch ein Mandat für ein Anlagesegment, von dem er was versteht? Wenn ein ausgewiesener Experte für Nebenwerte zum Beispiel einen neuen Large-Cap-Fonds beraten soll, sollten Fondssparer von dem Produkt besser die Finger lassen.

Investmenthäuser greifen verstärkt auf das Fachwissen von Experten zurück

Externe Berater kommen vor allem bei speziellen Anlagesegmenten zum Einsatz. Klassisches Beispiel ist der Biotechnologiesektor. Das Beratungshaus Medical Strategy berät mittlerweile schon sechs Publikumsfonds. Das Unternehmen steckt auch hinter der Performance des bekannten Erfolgsfonds mit dem unhandlichen Namen DG Lux Lacuna Apo Bio Tech. Michael Fischer, selbst Mediziner und Geschäftsführer von Medical Strategy, sieht aber nicht die Gefahr, dass sein achtköpfiges Team sich bei den Beratungsmandaten verzetteln könnte. "Es kommt mehr auf das betreute Volumen an. Und mit insgesamt 600 Millionen Euro, die in den Fonds stecken, bekommen wir noch keine Probleme", sagt er.

Neben speziellen Anlagesegmenten greifen Fondsfirmen gerne auf Berater zurück, die einen ausgefallenen Investmentansatz verfolgen. Gutes Beispiel hierfür ist die Grohmann & Weinrauther Vermögensmanagement GmbH, die unter anderem den Warburg Daxtrend-Fonds berät, einer der Topfonds des Jahres 2001. Der Ansatz: "Der Fonds orientiert sich am Dax. Die Outperformance erzielen mit dem computergestützten Investitionsgrad. Bei steigenden Börsentrends erhöhen wir den Investitionsgrad, bei fallenden Börsen senken wir ihn ab", erklärt Thomas Grohmann.

Am Trend zum Zukaufen von Fondsexpertise stört Experten Meyer aber, dass einige Häuser nicht klar sagen, ob und von wem sich das Management helfen lässt. Der erfolgreiche Adig European Emerging Market Equity zum Beispiel wird von Jupiter Asset Management gemanagt, die zum Commerzbank-Konzern gehört. Das wird aber erst beim Blick in den Prospekt klar. Zudem hat bereits vor zwei Jahren der Fondsmanager Simon Pickard aufgehört. Privat-Anlegern wurde dies aber nicht mitgeteilt, bestätigte Adig.

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