Kritiker nicht zufrieden
US-Geistliche für zweigleisiges Verfahren bei Pädophilien

Die Katholische Kirche in den USA will mit einem zweigleisigen Verfahren gegen pädophile Geistliche vorgehen. Zum Abschluss eines Krisentreffens in Rom zum Thema Kindesmissbrauch legten zwölf US-Kardinäle am Mittwoch eine Erklärung vor, nach der Wiederholungstäter entlassen werden sollen. Nach einem einmaligen Vorfall soll dies jedoch zumindest zunächst nicht zwingend vorgeschrieben sein.

Reuters ROM/WASHINGTON. Kritiker hatten nach den jüngst bekannt gewordenen Fällen von Kindesmissbrauch durch katholische Geistliche eine klare und kompromisslose Strategie verlangt.

Papst Johannes Paul II. hatte zum Beginn des zweitägigen Treffens am Dienstag in Rom erklärt, er werde pädophile Priester nicht in der Kirche dulden. In der am Mittwoch vorgelegten Erklärung hieß es, ein Priester, der "berüchtigt geworden und schuldig ist des wiederholten, räuberischen, sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen" solle seines Amts enthoben werden. Es müsse dagegen eine gesonderte Vorgehensweise geben für Priester, die "nicht berüchtigt" seien, aber bei denen der Bischof von "einer Bedrohung für die Sicherheit von Kindern und jungen Menschen" ausgehe. Die Einzelheiten sollen bei der halbjährlichen Konferenz der US-Bischöfe im Juni ausgearbeitet werden.

In den USA wird der katholischen Kirche vorgeworfen, Dutzende Fälle von Kindesmissbrauch durch Geistliche vertuscht zu haben. Besonders betroffen davon ist die Kirche in Boston, wo dem ehemaligen Priester und verurteilten Kinderschänder John Geoghan von 130 Personen vorgeworfen wird, sie in einem Zeitraum von 30 Jahren missbraucht zu haben. Im Zuge des Gerichtsverfahrens gegen Geoghan wurden Dokumente öffentlich, nach denen sechs US-Bischöfe zwar von den Vorfällen wussten, Geoghan aber lediglich von Gemeinde zu Gemeinde versetzten. Nach dem Bekanntwerden des Falls in Boston schlossen die Diözesen in den Bundesstaaten Kalifornien, Maine, New Hampshire und Pennsylvania Priester wegen Kindermissbrauchs aus.

Kritiker: Entscheidung den Bischöfen überlassen

Kritiker hatten von der Katholischen Kirche eine kompromisslose "Null Toleranz"-Politik verlangt. "Die Bischöfe wollen immer noch Schiedsrichter spielen", sagte David Clohessy von einer US-Selbsthilfegruppe für Personen, die von Priestern missbraucht wurden. "Aber das ist kein Spiel, das sind wirkliche Verbrechen, und Vorwürfe des Missbrauchs müssen von Profis behandelt werden, die in diesem Fall die Polizei und Staatsanwälte sind."

Der Vorsitzende der US-Bischofskonferenz, Wilton Gregory, sagte: "Wir wollen schnell handeln, aber wir wollen korrekt handeln." Es solle eine Vorgehensweise gesucht werden, die eindeutig, spezifisch und lückenlos sei. Das Recht eines Priesters, sich an den Heilige Stuhl zu wenden, dürfe jedoch nicht angetastet werden. Kardinal Theodore McCarrick sagte, die Kirche bewege sich seiner Ansicht nach auf eine harte Haltung zu Kinderschändern zu. "Wenn man in die Zukunft schaut, ist es glaube ich ziemlich klar, dass der Heilige Vater eine Null-Toleranz-Politik haben will", sagte er. In den USA gibt es 65 Mill. Katholiken, nach Brasilien und Mexiko die weltweit größte Zahl. Die katholische Kirche ist die größte nichtstaatliche Organisation der USA und vermutlich auch der größte Einzeleinzahler in die Kassen des Vatikans. Die den Missbrauchsfällen anhängenden Klagen könnten der Kirche Millionenbeträge Schadenersatz kosten.

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