Kritischeres Verbraucherverhalten setz Geldinstitute unter Druck
Sparkassenpräsident rechnet verstärkt mit Fusionen

Die Sparkassen in Deutschland geraten derzeit nach Expertenansicht verstärkt unter Fusionsdruck. In zwei Jahren werde die Zahl auf unter 500 gesunken sein, sagte der Präsident des Westfälisch-Lippischen Sparkassen- und Giroverbandes, Rolf Gerlach, am Freitag in Münster. Momentan gebe es bundesweit noch etwa 570 kommunale Geldinstitute. Trotz der Zusammenschlüsse werde sich an der flächendeckenden Versorgung mit Sparkassen nichts ändern, betonte Gerlach.

ddp MÜNSTER. Das anhaltend niedrige Zinsniveau sei ein Grund für die angespannte Lage der Sparkassen. Die Zinsspanne gerate zunehmend unter Druck. "Außerdem sind die klassischen Spareinlagen zurückgegangen. Dadurch wird die Refinanzierung für die Sparkassen teurer", erklärte Gerlach.

Auch ein kritischeres Verbraucherverhalten setze die Geldinstitute unter Preisdruck. Die Kunden holten intensiver Angebote konkurrierender Banken ein. Zu schaffen machen den Sparkassen aber auch neue Wettbewerber. In den vergangenen Jahre seien verstärkt Anbieter von Finanzdienstleistungen außerhalb des Bankengeschäfts auf den Markt gedrungen. "Noch vor 15 Jahren wurde ein neues Auto bei der eigenen Bank finanziert. Mittlerweile bieten die Autohersteller eigene Leasingverträge an", sagte der Sparkassenpräsident.

Gerlach räumte ein, dass die Sparkassen im Vergleich zu Privatbanken einen größeren Anteil weniger finanzkräftiger Kunden haben. "Wir haben eine Menge Kunden, an denen wir nicht viel verdienen, und darauf sind wir stolz", betonte er. Die Sparkassen hätten einen öffentlichen Auftrag, jedem Bürger ein Girokonto zur Verfügung stellen zu müssen. "Verzichten wir auf diese Funktion, würden wir vielen Menschen die Teilnahme am wirtschaftlichen Leben sehr erschweren", sagte Gerlach.

Er schloss zugleich aus, dass es zu Kooperationen zwischen Sparkassen und privaten Banken komme. Es gebe einen "breiten Konsens" zwischen den Sparkassenverbänden und beispielsweise der Landesregierung Nordrhein-Westfalens, dass "Elemente von Privatisierung" keinen Einzug in die öffentlichen Institute halten dürften. "Wir wollen den Einstieg von Privatbanken nicht", betonte Gerlach.

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