Kroatien
Bilic hadert mit Kader und Presse

Gegen Österreich gewonnen, aber ohne Glanz: Kroatien fürchtet ein böses Erwachen gegen Deutschland. Trainer Slaven Bilic demonstriert aber großes Selbstbewußtsein. Die Bundesligalegionäre Rakitic und Klasnic haben gute Einsatzchancen.

HB. BAD TATZMANNSDORF. Die kroatischen Fans und die Medien fürchten nach dem schwachen EM-Start ihrer Mannschaft ein böses Erwachen gegen Deutschland. Gegen Österreich zwar gewonnen, aber unsouverän und nur mit Glück - so lautet die einhellige Meinung nach dem EM-Auftakt. Doch Trainer Slaven Bilic bleibt gelassen: "Ich halte sehr viel von den Deutschen, sie sind immer Favorit, und alle ihre Spieler sind stark. Aber wir sind bei jedem Turnier erst im zweiten Spiel wie Phönix aus der Asche gestiegen. Ich bin sehr zuversichtlich und habe keine Angst."

Besonders die schnelle Genesung von Spielmacher Luka Modric stärkt das Selbstvertrauen der Kroaten. Der 22 Jahre alte Star der "Bilic Boys" hatte am Montag wegen Achillessehnenproblemen nicht mit der Mannschaft üben können, stieg gestern aber wieder ins Training ein. "Er ist okay", sagte Bilic. Der junge Spielmacher Modric in Topform wird dringend benötigt, schließlich ist Deutschland "eine der besten europäischen Mannschaften und bei der EM einer der Mitfavoriten auf den Turniersieg", so Bilic. Es war der Auftritt der deutschen Elf beim 2:0 gegen Polen, der ihn zwar "nicht umgehauen" habe, "aber sie waren besser als wir gegen Österreich".

Trotz des schwer erkämpften 1:0 gegen den Co-Gastgeber machen sich auch Bilic' Spieler wenig Sorgen. "Mit Michael Ballack haben die Deutschen einen Weltstar, aber wir müssen uns nicht fürchten", sagte der Schalker Ivan Rakitic. Der Bremer Ivan Klasnic sagte: "Deutschland hat hervorragende Spieler, aber auch Schwächen in der Defensive."

Die heimische Presse sieht der Begegnung mit Deutschland indes mit Sorge entgegen. "Das Spiel gegen Österreich brachte eine Welle von Pessimismus. Die Gründe für den Leistungsabfall müssen dringend gefunden werden. Wenn es gegen Deutschland wieder passiert, kommen wir nicht mehr so davon", schrieb das Blatt Sportske Novosti. Vor allem Fitnesstrainer Miljenko Rak wird scharf kritisiert. Der frühere Nationalcoach Miroslav Blazevic ätzt in "Vecernji List": Es gibt deutliche Probleme mit der körperlichen Verfassung unserer Spieler. Da hat die Vorbereitung nicht gepasst." Einzelne Spieler wurden ebenfalls angegriffen, so etwa der gegen Österreich eingewechselte Stürmer Igor Budan. "Warum ist der überhaupt da? Er ist weniger gelaufen als Torwart Pletikosa", fragte "Vecernji List".

Kein Wunder, dass die Presse Bilic auffordert, sein Team gegen Deutschland auf mehreren Positionen zu verändern - vor allen Dingen im Mittelfeld und im Sturm. Klasnic und Raktitic stünden bereit, doch Bilic will den beiden Bundesliga-Legionären keine Einsatzgarantie geben.

"Wenn wir so spielen, wie wir können - und nicht so wie gegen Österreich -, dann haben wir vor niemandem Angst", empfahl sich Rakitic wenigstens schon mal mit forschen Tönen. Er und Klasnic haben vehement für sich geworben. "Wir werden im Training Vollgas geben, damit der Trainer nicht ans uns vorbeikommt", versprach Schalkes Jungstar. Sein möglicher Startelf-Rivale Klasnic pflichtete ihm bei: "Wir haben in der Bundesliga gezeigt, dass wir auf einem Top-Level spielen", sagte der Angreifer von Werder Bremen.

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