Kroatiens Luka Modric
Der wilden bosnischen Liga entsprungen

Wenn am Donnerstag die kroatische Nationalmannschaft auf Deutschland trifft, ist es auch ein Spiel des selbsternannten Geheimfavoriten gegen den Liebling der Buchmacher. Kroatien hat begriffen, worum es im zweiten Gruppenspiel geht – die Hoffnungen ruhen dabei vor allem auf dem „kroatischen Mozart“ Luka Modric.

BAD TATZMANNSDORF. Das Spielfeld ist eng. Nur 15, 20 Meter Platz rechts und links von der Mittellinie. Slaven Bilic, Trainer der kroatischen Nationalmannschaft, hat eigenhändig bunte Plastikmarkierungen auf dem Rasen verlegt. Ein Spiel ohne Tore. Nico Kovac spielt zurück, Josip Simunic quer. Dann kommt der Ball zu Luka Modric. Er schaut nicht hoch, nimmt den Ball an, schlägt ihn aus dem Fußgelenk über 60, 70 Meter diagonal. Ivica Olic war gestartet, stoppt den Ball und läuft damit über die gedachte Linie. Die Vorgabe ist erfüllt, die Mitspieler spenden Applaus. Bilic, 39, früher Manndecker, nickt trocken. Solch einen Pass hat er trotz seiner 44 Länderspiele nie zustande gebracht.

Manchmal genügt nur eine Übungseinheit, um außergewöhnliche Spieler unter gewöhnlichen ausmachen zu können. Luka Modric ist der außergewöhnlichste unter den Kroaten. „Österreich hat Mozart, wir haben Modric!“, sagt der ehemalige Nationaltrainer Miroslav Blazevic. Und dessen Nachfolger, Bilic, habe ihm vor dem Turnier gar prophezeiht, „dass er der beste Spieler des Turniers werden kann“, sagt Bilic.

Dabei mag der 22-Jährige ganz und gar nicht öffentlich sein. Als die Kroaten ihn in Bad Tatzmannsdorf auf der Pressekonferenz präsentierten, fühlte sich Modric sichtlich unwohl. Mal strich er sich die dünnen Haare zurück, nestelte nervös am Kragen, kratzte sich am Hals oder an der Nase. Immerhin sagte er, dass er selbstbewusst ins Spiel gegen Deutschland gehe. Und: „Was unsere Helden bei der WM 1998 mit Platz drei erreicht haben, können wir auch schaffen.“

Solche Sätze des 27-fachen Nationalspielers hört die Nation gern. Stets fragen die Fans in der Heimat sich, wie er denn damit zurechtkomme, dass er jetzt 21, 26 oder 28 Millionen Euro wert sei. Wie hoch die Ablöse genau ist, die Tottenham Hotspur an Dinamo Zagreb zahlt, weiß niemand so recht in Kroatien. Spieler seiner Kategorie ziehen unweigerlich die bösen Buben an. So soll Zdravko Mamic, der mächtige Mann bei Dinamo, kräftig mitkassiert haben.

Seite 1:

Der wilden bosnischen Liga entsprungen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%