Kroatische Nationalisten leisten keinen Widerstand
SFOR bringt Waffenlager unter ihre Kontrolle

ap SARAJEVO. Die internationale Bosnien-Friedenstruppe SFOR hat am Wochenende umfangreiche Waffenlager der bosnischen Armee beschlagnahmt. Damit entzog sie Waffen und Munition den kroatischen Separatisten, die am Donnerstag die Kontrolle über Einrichtungen des Bundesheeres in Vitez und Busovaca an sich gerissen hatten. Bei dem Einsatz am Samstag stieß die SFOR nicht auf Widerstand.

Im Norden Bosniens verstärkten die Soldaten der NATO-geführten Truppe ihre Präsenz in der Gegend von Waffenlagern. Erst am Freitag war es in Mostar zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen, als Polizisten und SFOR-Soldaten die Filialen einer Bank stürmten, die die finanzielle Schaltzentrale der kroatischen-nationalistischen Partei HDZ gewesen sein soll. Der internationale Bosnien-Verwalter Wolfgang Petritsch verurteilte die Gewalt. Weder die NATO noch er würden sich der "Herrschaft des Mobs" beugen, sagte Petritsch am Samstag. Auch Mitarbeiter internationaler Organisationen seien attackiert worden. Er sei aber überzeugt, dass die Mehrzahl der bosnischen Kroaten nicht den Weg zurück zur Gewalt gehen wolle, erklärte der Österreicher. Auch die OSZE verurteilte die Angriffe gegen internationale Repräsentanten.

Die HDZ tritt für einen eigenen kroatischen Staat im Südwesten von Bosnien-Herzegowina ein. Dies wird jedoch von der internationalen Verwaltung als Verstoß gegen das Dayton-Abkommen abgelehnt. Die HDZ wolle einen eigenen Staat, um ihren kriminellen Aktivitäten nachgehen zu können, warf US-Botschafter Thomas Miller der Partei vor.

Kroatische Demonstranten fordern eigenen Staat

Hunderte bosnische Kroaten bekräftigten unterdessen ihre Forderung nach einem unabhängigen Staat. Sie versammelten sich am Samstag im kroatisch dominierten Westteil von Mostar, um den neunten Jahrestag der Gründung des Kroatischen Verteidigungsrats (HVO) zu feiern, einer Miliz, die während des Bosnienkriegs bosnische Serben und bosnische Moslems bekämpfte. Der ehemalige General Zlatan Mijo Jelic erklärte, die internationale Verwaltung könne die Freiheit des kroatischen Volkes nicht aufhalten. Er forderte die Kroaten auf, ihre Arbeitsstellen in der Bundesregierung aufzugeben und sich den Separatisten anzuschließen. Der ehemalige HVO-General Slobodan Praljak sagte, die internationalen Verwalter müssten Bosnien verlassen.

Die Führung des größten kroatischen Veteranenbundes erklärte ihre Unterstützung für einen unabhängigen Staat. Sie kündigte nach Berichten kroatischer Zeitungen vom Sonntag Blockaden von SFOR-Logistikstützpunkten in Kroatien an.

Bosnien-Herzegowina war 1995 im Friedensabkommen von Dayton nach dreieinhalbjährigem Krieg in eine serbische und eine moslemisch-kroatische Hälfte getrennt worden. Zusammengehalten wird das zerrissene Land durch ein gemeinsames Staatspräsidium, in das jede der drei Volksgruppen einen Vertreter entsendet. Das Land steht unter internationaler Verwaltung. Anfang März entließ Petritsch den kroatischen Präsidenten, nachdem die HDZ die moslemisch-kroatische Föderation für beendet erklärte.

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