Kronberger Chemiekonzern peilt deutliches Ergebniswachstum an
Celanese will Umsatz verdoppeln

Claudio Sonder, Chef der Celanese AG, macht keine Abstriche an seinen Wachstumsplänen. Der Chemiekonzern soll trotz schwacher Wirtschaftslage kräftig wachsen und profitabler werden. Schon in diesem Jahr sollen die Aktionäre wieder eine Dividende erhalten. Doch nicht in allen Sparten sind die Probleme bereits gelöst.

HB DÜSSELDORF. Die Celanese AG hält trotz der auf absehbare Zeit schwachen Chemiekonjunktur an ihren hoch gesteckten Zielen für Wachstum und Rendite fest. "Wir machen keine Abstriche an unserer Planung", sagte Vorstandschef Claudio Sonder im Gespräch mit dem Handelsblatt. Der Kronberger Konzern will den Umsatz in den kommenden drei bis vier Jahren vor allem durch Zukäufe verdoppeln und die Rendite gemessen am Gewinn vor Steuern, Finanzergebnis und Abschreibungen (Ebitda) auf 15 bis 20 % erhöhen. Celanese hat im vergangenen Jahr 5,1 Milliarden Euro umgesetzt.

Im zweiten Quartal lag die Gewinnmarge von Celanese bei 9,5 %. Die geplante Steigerung werde Celanese allein durch die eingeleiteten Kostensenkungen und Verkäufe von Unternehmensteilen erreichen, bekräftigte Sonder.

In der Celanese AG sind die Chemieaktivitäten der früheren Hoechst AG gebündelt. Der Konzern ist seit 1999 eigenständig und stellt Basischemikalien für Textilien und Zigarettenfilter her. Zudem produziert er Kunststoffe für Autos sowie Verpackungsfolien und Lebensmittelzusätze.

Sonder bleibt vorsichtig

Unternehmenschef Sonder erwartet zwar keine "berauschende Konjunktur" und ist auch für das Jahr 2003 vorsichtig. Dennoch rechnet er auf Basis der heutigen Produktionskapazitäten in den nächsten Jahren mit einem internen Umsatzplus von 4 bis 5 %. Analysten halten dies für realistisch. "Der Celanese-Konzern ist so gut positioniert, dass er deutlich zulegen kann", sagt Sven Dopke von M.M. Warburg.

Anleger honorieren die Fortschritte des Unternehmens ebenfalls: Während der Aktienindex der mittelgroßen Unternehmen, M-Dax, seit Jahresbeginn um 20 % zurückging, hielt sich Celanese mit einem Minus von 9 % vergleichsweise gut.

Allerdings müsste Celanese in den nächsten Jahren noch 3 bis 4 Milliarden Euro Umsatz durch Übernahmen hinzukaufen, um die Umsatz-Verdoppelung zu erreichen. Auch dabei steckt Sonder nicht zurück: "Wir werden dies auch in schweren Zeiten angehen und werden es uns auch leisten können." Schwerpunkt dabei wird Asien sein.

Zukäufe sollen Ziele sichern

Mit den Zukäufen soll Celanese stabiler bei der Umsatz- und Gewinnentwicklung werden. Sonder beabsichtigt, die viel versprechendsten Bereiche zu stärken. Dazu zählt er die Spezialkunststofftochter Ticona sowie die Sparten Essigsäure und Nahrungsmittelzusätze. Doch vor allem im letztgenannten Geschäft sind die Preise für Zukäufe hoch. Sonder weiß dies und ergänzt: "Wir werden nur Übernahmen tätigen, die kurz- und mittelfristig den Gewinn pro Aktie steigern."

Bei der Rendite-Verbesserung kann Sonder auf Fortschritte in allen Sparten bauen, mit Ausnahme der Chemischen Zwischenprodukte. Dieses zweitgrößte Arbeitsgebiet sei die "Achillesferse" von Celanese: Im zweiten Quartal lag die Gewinnmarge hier bei minus 4,2 %, während die übrigen Sparten zwischen 11,4 (Ticona) und 20,2 % (Folien und Nahrungszusätze) lagen. Die Lösung für die Sorgensparte liegt in der Partnersuche, doch die verlief zumindest im großen Teilbereich Acrylate und Acrylsäure bislang erfolglos.

Auf ein Umsatzziel für das Jahr 2002 will sich der 60-jährige Firmenchef nach wie vor nicht festlegen. Die Entwicklung des Dollarkurses sei zu unsicher - Celanese macht mehr als die Hälfte des Erlöses in Nordamerika. Im dritten und vierten Quartal erwartet Sonder außerdem keine neuen Wachstumsimpulse. "Der Juli war nicht berauschend, der August vielleicht etwas besser. Aber die grundlegenden Vorzeichen haben sich nicht geändert", sagte er. Derzeit seien die Kapazitäten zwischen 80 und 85 % ausgelastet. Die Ziffer liegt über Vorjahr, aber unter dem zufriedenstellenden Wert von 90 %.

Probleme in Asien bald im Griff

Die jüngsten Produktionsausfälle in Asien werde Celanese bis Ende August in den Griff bekommen, bekräftigte Sonder. Der Konzern ist derzeit in seiner bedeutenden Essigsäureanlage in Singapur von einen Ausfall in der Gasebelieferung betroffen. Dies wird im dritten Quartal das Ergebnis um mehr als 10 Mill. Euro belasten. Durch Regressforderungen und Versicherungen soll dies wieder hereingeholt werden. Immerhin will Celanese in diesem Jahr eine Dividende zahlen, die "rund 2 % des Aktienkurses" entsprechen soll.

Es ist nach Ende 2000 bereits das zweite Mal, dass Celanese wegen Problemen bei der Kohlenmonoxidbelieferung durch Geschäftspartner Syngas in Singapur nicht wie gewünscht produzieren kann. Aber: "Der jetzige Fall ist in keiner Form mit den damaligen Problemen vergleichbar", sagt Sonder. Konsequenzen für die Beziehung zu Syngas schließt er aus. "Die Kohlenmonoxid-Anlage haben wir mitgebaut." Nun gehe es darum, die Probleme gemeinsam zu lösen.

Quelle: Handelsblatt

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