Kronzeuge zur Aussage bereit – Mehr als 160 Kunden verloren
Für Andersen wird die Luft dünn

Die Abrissbirne kreist bedrohlich über dem angeschlagenen US-Unternehmen Arthur Andersen, seit der gefeuerte Partner David Duncan mit den US-Behörden kooperieren und als Kronzeuge im Prozess gegen seinen früheren Arbeitgeber sowie gegen Enron aussagen will.

WASHINGTON. "Ich habe persönlich Dokumente zerstört", gab er jetzt zu. Seit dem 21. Oktober, zwei Tage nachdem bekannt wurde, dass die US-Börsenaufsicht SEC gegen Enron ermittelt, habe er mit seinem Team Enron-Akten vernichtet. Duncan erklärte sich einverstanden, dem Justizministerium Rede und Antwort zu stehen. Zudem werde er alle Dokumente und anderen Materialien, die in seinem Besitz seien, liefern. Im Gegenzug kann er mit einer milden Strafe rechnen.

Für den US-Zweig von Arthur Andersen können Duncans Aussagen das Ende bedeuten. Dabei hatte es für die Firma Anfang der Woche wieder besser ausgesehen: Gespräche zur außergerichtlichen Beilegung der zivilen Sammelklagen und der Strafverfolgung liefen. Diese Verhandlungen scheinen jetzt hinfällig. "Nun sitzt die Regierung auf dem Fahrersitz, den Fuß auf dem Gas und die Hände am Lenkrad", fasst der Houstoner Anwalt und Wertpapier-Experte Thomas Ajamie die Situation zusammen. Doch nicht nur Andersen soll es an den Kragen gehen, sondern auch den fast in Vergessenheit geratenen Managern: "Karrierebewusste Staatsanwälte wollen nur zu gerne den Kopf des früheren Enron-Chefs Kenneth Lay als Trophäe haben. Um Material gegen das Management zu bekommen, brauchen sie Mitarbeiter von Arthur Andersen", meint Robert Rigg, Direktor des Instituts für Strafverteidigung an der Drake-Universität in Des Moines, Iowa.

Derweil zerfällt das weltweite Netz der Andersen-Partnerschaften weiter. Arthur Andersen UK vermeldete, dass man sich mit dem Konkurrenten Deloitte & Touche einig geworden sei. Alle Geschäftbereiche sollen verkauft werden. In den USA wurde Deloitte & Touche lange als heißer Übernahmepartner für einen Großteil des Steuerbereichs von Andersen gehandelt. Mittlerweile hat jedoch das auf fremdfinanzierte Firmenkäufe spezialisierte Unternehmen Fox Paine zwischen 800 und 900 Mill. Dollar für den gesamten Bereich geboten.

Aus diesem neuen Angebot drehen die Anwälte der zivilrechtlichen Sammelklagen Andersen einen Strick. Vor dem Hintergrund solch großer Einnahmen wollen sie das Angebot von 300 Mill. Dollar zur außergerichtlichen Einigung nicht akzeptieren. Gleichzeitig bricht der Kundenschwund in den USA nicht ab: Der Baukonzern Halliburton, der größte verbliebene Kunde (nach den Gebühren von 2000), sowie International Paper, die Nummer zwei, sind abgesprungen. Oracle und die Bank of China erklärten, künftig mit Price-Waterhouse-Coopers zusammenzuarbeiten. Mittlerweile hat Andersen mehr als 160 Kunden verloren.

Quelle: Handelsblatt

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