Krtik an ARD und ZDF
TV-Zuschauer verärgert: Zu wenig WM-Spiele live

Deutschlands TV-Zuschauer sind über die WM-Berichterstattung verärgert. Sie wünschen sich mehr Live-Spiele im frei empfangbaren Fernsehen. Bei ARD und ZDF häufen sich die Anrufe enttäuschter Fußballfans und Gebührenzahler.

dpa HANNOVER. Nach einer repräsentativen Forsa-Umfrage der Programmzeitschrift "TV Today" stören sich 56 Prozent der Befragten daran, dass nur 24 der 64 WM- Partien von ARD/ZDF original übertragen werden. "Die Leute wollen lieber Spiele sehen und nicht so viel Rahmenprogramm", hieß es beim WDR in Köln.

Deshalb geht auch nach der Beilegung des TV-Streits zwischen ARD/ZDF und KirchMedia die Diskussion um die WM-Übertragungen und um Fußballrechte weiter. Die öffentlich-rechtlichen Sender hatten der Übernahme ihres WM-Vertrages durch die Schweizer Firma KirchMedia WM AG am Freitagabend zugestimmt. Damit ist gewährleistet, dass unabhängig von der Insolvenz der KirchMedia die Zuschauer alle vereinbarten Spiele bei ARD/ZDF sehen können. Doch das sind bis zum Finale am 30. Juni nur noch 14 Partien. Viele interessante Spiele fallen unter den Tisch. Sie sind live nur beim Pay TV-Sender Premiere zu sehen, der nach Angaben des Geschäftsführers Georg Kofler täglich bis zu drei Millionen Zuschauer mit den Bildern aus Asien erreicht.

Sollte Titelverteidiger Frankreich am Dienstag (8.30 Uhr) gegen Dänemark ausscheiden, strahlt Sat.1 erstmals am Abend um 21.15 Uhr bewegte Bilder aus. Die Nachteile des umstrittenen WM-Vertrages, den ARD/ZDF im Vorjahr unter massivem Druck von Politikern unterschrieben haben, werden immer deutlicher. Selbst Kurzberichte dürfen nicht gesendet werden. Das ZDF zeigt Standfotos von den Begegnungen ohne Live-Rechte. Die Moderatoren Gerhard Delling/Günter Netzer (ARD) sowie Wolf-Dieter Poschmann/Rene Hiepen/Jürgen Klinsmann (ZDF) müssen mit Fachanalysen, Berichten aus dem deutschen Lager oder Plaudereien mit Gästen wie Joey Kelly, Dariusz Michalczewski und Klaus Schlappner die Zeit bis zum nächsten Live-Spiel überbrücken.

Ähnliche Verhältnisse bei der nächsten WM 2006 in Deutschland wären für ARD/ZDF ein Horror-Szenario. Deshalb wird sich nach Ansicht des stellvertretenden ARD-Vorsitzenden Peter Voß auch die deutsche Medienpolitik nach der WM 2002 intensiv mit dem Thema Fußballrechte befassen. «Ich gehe davon aus, dass die großen Fußballorganisationen FIFA, UEFA und DFB ihre Vermarktungspraxis von Grund auf überprüfen», sagte Voß auf Anfrage von dpa. Er unterstützte nachdrücklich die Initiative des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck, der sich dafür einsetzt, dass die FIFA die europäischen WM-Rechte an die Europäische Rundfunk Union (EBU) vergibt.

Die weltweiten Rechte hatte die KirchMedia vor einigen Wochen ebenfalls in die Schweiz übertragen. Bei der KirchSport AG in Zug und ihren drei Töchtern, unter anderem die KirchMedia WM AG, sollen sie insolvenzfest sein. Der ARD-Vorsitzende Fritz Pleitgen hat in Japan dem FIFA-Chef Joseph S. Blatter erklärt, dass die EBU alle 64 Spiele der WM 2006 erwerben will, damit sie im Free TV zu sehen sind. "Wir wären auch bereit, RTL und Sat.1 daran zu beteiligen, und das zu Einkaufspreisen", sagte Pleitgen.

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