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Krypta mit neun Leichen unter Medici-Grab in Florenz entdecktDPA-Datum: 2004-07-10 15:25:30

Florenz (dpa) - Italienische Forscher haben in Florenz unter einem fast 300 Jahre alten Grab der Herrscherfamilie Medici eine Geheimkammer mit Überresten zahlreicher Leichen entdeckt.

Florenz (dpa) - Italienische Forscher haben in Florenz unter einem fast 300 Jahre alten Grab der Herrscherfamilie Medici eine Geheimkammer mit Überresten zahlreicher Leichen entdeckt.

In der Krypta unter den berühmten Medici-Kapellen befinde sich der Leichnam des letzten Medici-Herrschers, Großherzog Gian Gastone (1671-1737), sowie die Gebeine von acht weiteren Toten, zumeist von Neugeborenen und Kindern, sagte der Paläopathologe Prof. Gino Fornaciari der dpa.

«Es handelt sich um einen spektakulären Fund. Wir haben von der Krypta mit ihren vielen Toten zuvor nichts gewusst», sagte der Experte, der anhand archäologischer Funde die Krankheiten und Lebensumstände von Menschen mit modernen medizinischen Methoden erforscht. Die Entdeckung gelang den Wissenschaftlern zum Auftakt eines Großprojekts, bei dem insgesamt 49 Medicigräber geöffnet werden sollen. Das Unternehmen dient dazu, Lebensgewohnheiten, Krankheiten und Todesursachen der legendären Bankiersfamilie zu untersuchen, die Florenz drei Jahrhunderte lang beherrschte.

Die unterirdische Geheimkammer liegt unter der sichtbaren Grabstätte Gian Gastones und ist etwa 30 Quadratmeter groß und zweieinhalb Meter hoch. Sie ist über mehrere Stufen zugänglich. «Die Identität der acht weiteren Toten ist ungeklärt», sagte Fornaciari. Es handele sich um die Leichen dreier Neugeborener sowie zweier Kinder im Alter von ein bis zwei Jahren, außerdem seien die Gebeine zweier älterer Kinder sowie eines etwa 20-jährigen Menschen in der Krypta.

«Wir vermuten, dass alle Angehörige der Medici sind», sagte Fornaciari. Bei mehreren Toten habe man das Geschlecht bisher nicht feststellen können. «Einer der jungen Knaben trägt noch die Überreste einer Krone in der Form eines Blumengebindes». Mehrere Leichen seien in mumifizierten Zustand. «Einige Särge wurden bei der großen Überschwemmung 1966 beschädigt, andere sind noch intakt.»

Das Projekt zur Exhumierung der Mediciherrscher wird insgesamt zwei Jahre dauern. Bislang seien bereits vier Leichen in den Medici- Kapellen ans Tageslicht befördert worden: Die Gebeine von Großherzog Cosimo I. (1519-1574), seiner Ehefrau Eleonora von Toledo sowie ihrer Kinder Giovanni und Garzia. Dabei sei auch die bisherige Annahme ins Wanken geraten, viele Medici hätten an Gicht gelitten; einer der großen Herrscher wird sogar bis heute «Piero der Gichtige» genannt.

«Eine erstaunliche Entdeckung ist, dass Cosimo I. entgegen allen bisherigen Behauptungen keine Gicht hatte», meint Fornaciari nach ersten Untersuchungen. Satt an der Stoffwechselerkrankung habe er an einer erblichen Gelenkkrankheit gelitten. Seine Frau und seine beide Kinder seien nach einer Reise an Malaria gestorben. Die Skelette, Leichenteile sowie die Kleider sollen auch einer DNA-Analyse unterzogen werden.

Bereits vor einigen Jahren hatten italienische Forscher in Palermo den Sarkophag von Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen (1194-1250) geöffnet und dabei ebenfalls eine Überraschung erlebt: In dem Sarg lagen neben Friedrich die Leiche einer Frau und eines weiteren Mannes, angeblich handele es sich um eine «italienische Adelige» und einen entfernten Verwandten.

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